Die Glut in der Asche wieder entfachen

Vorarlberg / 01.02.2013 • 17:46 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

An diesem Sonntag feiern wir auch das Fest Maria Lichtmess. Noch einmal lässt dieses Fest das Geheimnis des Lichtes aufleuchten, in das wir an Weihnachten geschaut haben. Darum weihen wir an diesem Tag auch Kerzen, die uns durchs kommende Jahr gesegnetes Licht schenken sollen. Und wenn nun der Fasching schon alle fest im Griff hat, dann ist das doch eine Gelegenheit zurückzuschauen, was von diesem Fest in uns weiterlebt. Es ist vielleicht auch eine Gelegenheit, noch einmal in der Weihnachtspost zu kramen und sinnvolle Texte für uns aufzubewahren. Einen solchen, der mir zugeschickt wurde, möchte ich mir in der kommenden Zeit immer vor Augen halten. Er stammt von M. L. King:

Wir haben gelernt,

wie die Vögel zu fliegen

und wie die Fische zu schwimmen.

Aber wir haben die einfache Kunst nicht erlernt,

als Brüder zu leben.

Als Menschen miteinander leben

Wir haben so vieles gelernt, wir bewässern Wüsten, wir betreten den Mond, wir bauen Häuser bis in die Wolken, wir haben so vieles gelernt, aber immer wird es darauf ankommen, dass wir es lernen, als Menschen miteinander zu leben wie Brüder und Schwestern, aufeinander zu hören, miteinander zu sprechen, einander zu helfen.

Durchs Dunkel hindurch Licht entdecken

Immer wird es darauf ankommen, dass wir durch alles Dunkel hindurch auch das Licht der Freude entdecken, die viel tiefer liegt, als jede Enttäuschung, darum auch schwerer zu finden ist, aber auch ein umso tieferes Fundament für unser Leben ist.

Spuren der Liebe entdecken und schenken

Immer wird es darauf ankommen, dass wir dann, wenn um uns alles kalt geworden ist, wenn richtige Lieb-losigkeit ins Leben einzieht, wir Spuren der Liebe und Aufmerksamkeit entdecken, die wachsen und Freude in unser Leben zaubern. Es wird darauf ankommen, dass wir solche Spuren der Liebe hinterlassen und weiterschenken.

In aller Gottvergessenheit Gott suchen

Immer wird es darauf ankommen, in einer Zeit Gott zu entdecken, wo so wenig von Gott geredet wird und eine Gottvergessenheit eingezogen ist.

Immer wird es darauf ankommen, dass wir auch dann, wenn uns die Hoffnung entschwindet, wenn unser Inneres diese Hoffnung nicht mehr finden kann, dass wir wenigstens im Aschenhaufen aller Zusammenstürze noch eine Glut entdecken, die wir entfachen können.

Die Glut in der Asche neu zu entfachen

Auch das scheint zu einem Grundgeheimnis unseres Lebens zu gehören, dass wir lernen, die Glut in der Asche wieder zu entfachen. Denn in allem Ringen geben wir manchmal zu schnell auf.

Abt Martin Werlen von Einsiedeln, der diesen Satz geprägt hat, gibt dazu eine Hoffnungserfahrung unserer Zeit wieder:

Ein junger Mann hatte alle Chancen und Begabungen, ein hervorragender Violinspieler zu werden. Die Umgebung förderte ihn und er hatte eine hervorragende Ausbildung. Und dann ein Autounfall, den er nicht selbst verschuldet hat. Seine Hand war so verletzt, dass er es höchstens noch schaffte, Geiger in seinem Dorforchester zu werden. Seine Begabung, sein Feuer, seine Begeisterung waren nur noch ein Aschenhaufen. Trotzdem gab er nicht auf. Er entdeckt in seinem Aschenhaufen Glut. Violine zu spielen war nicht mehr möglich. Aber Dirigent konnte er noch werden. Heute ist er einer der Größten. Es ist der 52-jährige Franz Welser-Möst, der auch das vergangene Neujahrskonzert dirigierte.

Es gibt für jeden Menschen solch eine Glut in den Aschenhaufen unseres Lebens.

Wir haben gelernt, wie die Vögel zu fliegen und wie die Fische zu schwimmen.

Aber erlernen wir doch wieder, miteinander zu leben wie Brüder und Schwestern, durch alles Dunkel hindurch auch das Licht der Freude entdecken, in einer lieblosen Welt Spuren der Liebe und Aufmerksamkeit entdecken, im Aschenhaufen aller Zusammenstürze noch eine Glut entdecken, die wir entfachen können.

Dies möge uns allen in der kommenden Zeit gelingen.