„Miese Geschäfte auf dem Rücken der Tiere“

Vorarlberg / 01.02.2013 • 20:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Tierschützer und -arzt Erik Schmid informiert über Missstände im Umgang mit Tieren.

Schwarzach. (VN) „Es geht um das Wohl des Tieres und die Moral des Menschen“, beginnt Schmid und klärt auf: „Es gibt immer mehr Briefkastenfirmen im Internet, die skrupellos Welpen aus dem Süden und Osten Europas – oft mehr tot als lebendig, krank, behindert – in sogenannten ,Pflegestellen‘ auch bei uns in Vorarlberg zwischenlagern und zum Schnäppchenpreis verscherbeln.“ Das miese Geschäft mit dem Mitleid der Leute boomt. „Die Käufer solcher Tiere glauben, dass sie etwas Gutes tun, wenn sie die arme Kreatur kaufen. Das Gegenteil ist leider der Fall – so werden diese skrupel- und herzlosen Geschäftemacher in ihrem Treiben noch gestärkt. Die bestellen beinhart nach in Spanien, in Ungarn, in Rumänien. Und das alles schwarz – schon klar. Kürzlich kippte auf der deutschen Autobahn ein Transporter mit 100 (!) Welpen um. Diese sogenannten „Rettungsvereine“ oder „Pflegestellen“ verlangen eine „Spende“ oder „Schutzgeld“ – zwischen 300 und 500 Euro. Der Tierschützer dazu: „Ich kann nur an die Menschen appellieren, die es gut meinen mit Tieren: Kauft solche Tiere nicht! Wenn diese Geschäftemacher keine Abnehmer mehr finden, dann ist ein solches Business in einem halben Jahr passé.“ Bei einer Anzeige muss kontrolliert werden und gegebenenfalls werden die Tiere beschlagnahmt. „Wer wirklich den Tierschutz-Gedanken lebt, der holt sich sein Haustier aus dem Dornbirner Tierschutzheim. Nur dann tut man etwas Gutes. Und Rassehunde bitte ausschließlich bei seriösen und zugelassenen Zuchtverbänden kaufen!“

Wir nützen die Tiere . . .

. . . zum Streicheln, für den Sport, zum Essen. „Durch die Anonymisierung der Nutztiere haben Fleisch- und Milch-Industrie auch bei uns leichtes Spiel“, so Schmid. Der Fachtierarzt hat aus Ethik und Verantwortung den Begriff „Vethics“ kreiert und weiß, dass „wir in Vorarlberg noch einen weiten Weg haben, denn wir sind in der industriellen Massentierhaltung weit entfernt von regional und fair. Es wird genmanipuliertes Futter aus Brasilien importiert. Zur Kompensation der schlechten Haltungsbedingungen ist massiver AB-Einsatz nötig.“ Gegenmaßnahmen: Information, Transparenz, Kennzeichnung und „Tierschutz macht Schule“ mit Ethikunterricht und Betriebsbesuchen.

Wir brauchen eine Kennzeichnungspflicht nach Art der Tierhaltung!

Erik Schmid, Tierarzt

Buchtipps: „Das Tier an sich“ (Herwig Grimm/Carola Otterstedt); „Wir streicheln und wir essen sie“ (Hal Herzog); „Die Kuh ist kein Klimakiller“ (Anita Idel); „Food Crash“ (Felix zu Löwenstein); Web-Links:
www.boell.de/fleischatlas;
www.buendnis-mensch-und-tier.de; www.vier-pfoten.at