Milde Strafen für junge Räuber

Vorarlberg / 19.03.2013 • 22:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Angeklagten haben bereits die Hälfte ihre unbedingten Gefängnisstrafe in U-Haft verbüßt. Foto:VN/Steurer
Die Angeklagten haben bereits die Hälfte ihre unbedingten Gefängnisstrafe in U-Haft verbüßt. Foto:VN/Steurer

Nach brutalem Taxiüberfall: Jugendliche verurteilt und nach Hause geschickt.

Christiane Eckert

Feldkirch. Im November vergangenen Jahres wurde ein Taxilenker in Röthis Opfer eines brutalen Überfalls. Die Täter – vier junge Burschen im Alter von 16 und 17 Jahren – waren bis an die Zähne bewaffnet: Zwei Gaspistolen, ein Messer, einen Pfefferspray und einen Schlagring hatten sie dabei. „Nur um ihm Angst zu machen“, behaupten sie. Einer räumt allerdings ein, dass sie den Taxler – hätte er sich gewehrt – auch geschlagen hätten. Das Quartett entkam mit einigen Hundert Euro.

Kurz vor dieser Tat hatten sie versucht, einen anderen Taxler auszurauben, doch dies missglückte wegen Kommunikationsproblemen.

Dumm gelaufen

Zu Hause hatten die vier bereits geplant, wie sie den Überfall durchführen wollten. Sie spielten das Ganze durch. Einer sollte ein Taxi bestellen und vorgeben, er habe sein Handy verloren. Daraufhin sollte der Taxler aussteigen und beim Suchen helfen. „Auf Kommando“ – das Zeichen war ein auffälliges Husten – sollten die anderen drei vermummt aus dem Versteck kommen und dem Taxler zusetzen. Was niemand ahnte, der „Zeichengeber“ hatte einen unbeabsichtigten Hustenanfall. Die drei Helfer waren somit viel zu früh zur Stelle. Als sie das Missverständnis erkannten, machten sie sich wieder aus dem Staub. Der erste Versuch ging somit daneben. Erst der zweite Anlauf führte zum Erfolg.

Doch schon lange vor den Raubüberfällen trieben die Burschen ihr Unwesen. Sie brachen ein und beschädigten eine Minigolfanlage, Baucontainer, Tafeln, Wartehäuschen, Firmengebäude und Unterkünfte eines Fußballklubs und eines Hundesportvereins. Ein beschädigter Bagger beschert den Burschen beispielsweise 6000 Euro Kosten. Die müssen sie bezahlen. Niemand kann nachvollziehen, warum die Jugendlichen diese Straftaten begangen haben. Sie waren in Lehrverhältnissen, verdienten Geld, sind sozial inte­griert und behütet aufgewachsen. Seit vier Monaten sitzen sie in Untersuchungshaft.

Nach Hause

Auf Grund ihres Geständnisses und ihrer bisherigen Unbescholtenheit werden drei Angeklagte zu 24 Monaten verurteilt, acht davon unbedingt. Der Vierte im Bunde bekommt 21 Monate, sieben davon unbedingt. Da die Jugendlichen bereits mehr als die Hälfte des unbedingten Teils in U-Haft verbüßt haben, werden sie – wie das üblich ist – bedingt entlassen. Das heißt, sie konnten gestern sofort nach Hause. Was bleibt, ist eine Vorstrafe wegen bewaffneten Raubes und eine Menge Schulden. Die Schäden gehen in die Tausende. Die Urteile sind rechtskräftig.

Machen Sie so etwas nie wieder.

Sandra Preßlaber, Richterin