„Investition für Generationen“

Vorarlberg / 21.03.2013 • 21:31 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Maria genießt das frische Wasser, das aus dem Brunnen im Möggener Ried sprudelt. Foto: vn/hartinger
Maria genießt das frische Wasser, das aus dem Brunnen im Möggener Ried sprudelt. Foto: vn/hartinger

Der Quellschutzwald Rotschachen ist das Beispiel einer gelungenen Kooperation.

Möggers. Fünf Jahre hat es gedauert. Unzählige Verhandlungen und Gespräche waren notwendig, um die Interessen von Waldbesitzern, Wassernutzern, Wegegenossenschaften, Gemeinden und Jägern in einen Vertrag zu gießen. Doch der Einsatz hat sich gelohnt. Heute steht der Quellschutzwald Rotschachen oberhalb von Möggers als Vorbild für eine erfolgreiche Kooperation. „Man muss solche Prozesse nur zulassen“, spricht Peter Feiersinger, Leiter der Forstbehörde in der Bezirkshauptmannschaft Bregenz, in diesem Fall von einer „Investition für Generationen“. Rund 8000 Personen werden mit bestem Trinkwasser aus den Quellen von Möggers versorgt.

Harmonische Einheit

Obwohl bereits Frühling, herrscht im Quellschutzwald Rotschachen noch tiefer Winter. Wohlverpackt liegt der größte Schatz, den diese rund 100 Hektar beherbergen, unter dem Schnee. Nur zögerlich gibt er die Bachläufe frei. Lässt das kristallklare Nass ans Licht sprudeln. „Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis das alles geschmolzen ist“, meint auch Waldaufseher Helmut Gmeiner. Für Farbe sorgen derweil die Fichten und Weißtannen, die in sattem Grün leuchten. Alte sowie junge Bäume bilden auf diesem märchenhaft anmutenden Flecken eine harmonische Einheit. Weil „der Wald kleinflächig und liebevoll bewirtschaftet wird“, wie Christian Natter von der Forstbehörde erklärt.

Für ein Gebiet mit 19 Quellfassungen ist das von besonderer Bedeutung. Auf diese Weise entstehen keine größeren Kahlflächen. Das dient dem Quellschutz. Vor dem Zusammenschluss sah die Sache anders aus. Traktoren und Lastwagen wühlten sich auf unbefestigten Erdwegen durch den Wald. Hinterließen tiefe hohle Gassen. Wenn nichts mehr ging, wurden Ausweichstrecken gesucht. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Umdenken bewirkte das Hochwasser 2010. „Das Gelände war nicht mehr befahrbar und der Wald damit auch nicht mehr nutzbar“, erzählt der Obmann der Wegegenossenschaft, Georg Wucher.

Die Balance gefunden

Jetzt brauchte es Nägel mit Köpfen. Besagtes Waldgebiet umfasst 270 Waldparzellen, die im Eigentum von 60 Waldbesitzern stehen. Aber auch die Jagd pochte auf ihre Rechte. Schlussendlich fanden sich alle unter einem Hut wieder. Dem gemeinschaftlichen Wegebau stand wortwörtlich nichts mehr im Wege. An die 4,5 Kilometer befestigter Forstwege wurden gebaut. Dabei immer den Schutz der Wasserquellen im Auge. „Die Weganlagen bedeuten eine enorme Erleichterung“, sind sich die Beteiligten inzwischen einig. Und das, obwohl sie trotz Förderungen auch selbst finanziell bluten mussten.

Ein Gewinn für alle

Dass der Wald in all seiner Pracht gedeihen und bestehen kann, ist mit ein Verdienst der Jägerschaft. Die konsequente Bejagung des Rehwilds sichert die Balance in diesem sensiblen ökologischen System. „Ein guter Jungwald ist außerdem der beste Wasserspeicher“, sagt Peter Feiersinger. „Und eine Versicherung, für die man keine Prämie zahlt“, ergänzt Helmut Gmeiner. Denn Plenterwälder, so die fachliche Bezeichnung, sind resistenter gegen Sturm und Wind, weil sie sich schneller regenerieren. Die Nutzungsrechte des im Waldgebiet Rotschachen produzierten Trinkwassers liegen bei der Wassergenossenschaft Möggers-Dorf und der Gemeinde Hörbranz. „Also nicht in der Hand eines einzelnen Unternehmens, das möglicherweise oder ausschließlich gewinnorientiert agiert“, merkt Forstmann Peter Feiersinger mit einem Seitenhieb auf die schwelende Privatisierungsdebatte an. Sein begeistertes Fazit: „Die Waldbesitzer nehmen Rücksicht auf Boden- und Quellschutz und können dennoch ihre wertvollen Plenterwälder bewirtschaften. Die Bürger von Möggers und Hörbranz genießen frisches, sauberes Trinkwasser und jene, die im Möggerer Ried wandern, sehen Österreichs schönsten Plenterwald. Es handelt sich um eine Wald- und Wasserkooperation, die nur Gewinner kennt.“

Laut DI Thomas Blank, dem Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Amt der Landesregierung, liegen erst 12 bis 13 Prozent aller verfügbaren Quellen in Schutzgebieten. Hier bestehe noch Nachholbedarf.

Übrigens . . .

. . . die gesamte jährliche Wassermenge in Vorarlberg setzt sich zusammen aus 7725 Millionen Kubikmetern Oberflächen- und 1580 Millionen Kubikmetern Grundwasser.

. . . der Verbrauch liegt bei etwa 140 Litern pro Einwohner und Tag.

. . . auf die gesamte Fläche des Landes fallen im Durchschnitt 1900 mm Regen pro Jahr.

. . . in Bregenz regnet es 990 Stunden, das sind 41 Tage, in Tschagguns 880 Stunden oder 37 Tage.

. . . die Stollenquelle in Lorüns, die Schwarzbachquelle in Lech und die Fidelisquelle in St. Gallenkirch sind die größten für die Trinkwasserversorgung genutzten Quellen. Jede liefert pro Sekunde mehr als 100 Liter Wasser.

. . . in Vorarlberg gibt es 3933 Fließgewässer mit einer Gesamtlänge von 4117 Flusskilometern, ca. 600 natürliche Seen, 13 Stauseen und 44 Baggerseen, deren Gesamtfläche etwa 8,6 Quadratkilometer groß ist.

. . . seit dem Jahr 2000 werden durchschnittlich zwölf Millionen Euro jährlich in die Wasserversorgung investiert.

. . . in Vorarlberg gibt es 35 kommunale Kläranlagen, die von Gemeinden oder Abwasserverbänden betrieben werden, und rund 180 private Kleinkläranlagen.