Vier Jahre Haft für Freier

Vorarlberg / 21.03.2013 • 22:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Prostituierte zu Sex gezwungen – 41-Jähriger wegen Vergewaltigung
verurteilt.

Christiane Eckert

Feldkirch. Jahrelang war er Stammkunde, einmal pro Monat bestellte er sich eine Dame. Der Oberländer war sogar ein knappes Jahr mit der „Vermittlerin“ selbst liiert. Der 41-jährige Bauarbeiter ist kein Freund von „Blümchensex“, wie er selbst sagt, er mag es üblicherweise etwas härter. Dass er eine der Damen Ende 2011 vergewaltigt haben soll, streitet er jedoch ab. „Keine Gewalt, es war wie üblich, mit Kondom und ohne viel reden“, erzählt er vom bezahlten Liebesspiel auf dem Beifahrersitz. Die Prostituierte sei zu ihm in die kleine Oberländer Gemeinde gefahren, habe sich unten frei gemacht und er habe konsumiert, für was er bezahlt hatte. 150 Euro kostet eine volle Stunde.

Erpressung

Der Mann sagt, dass die Prostituierte und die Zuhälterin ihn erpresst hätten. „Du warst grob, entweder du zahlst 1200 Euro Schmerzengeld oder wir zeigen Dich wegen Vergewaltigung an“, sei die Drohung gewesen. Er habe bezahlt, weil er Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen gehabt habe, so der Freier. Doch dann wurde gegen die Vermittlerin der Liebesdienste ermittelt, sie wurde in erster Instanz wegen Zuhälterei verurteilt. Im Zuge dessen kam der Vergewaltigungsvorwurf zur Sprache, und es kam doch noch zur Anzeige. Die Prostituierte wollte den Vorfall eigentlich nicht anzeigen. „Die Frau ist Mutter zweier Kinder. Sie unterschrieb für ihren Mann einen Kredit und muss diesen nun ganz alleine zurückzahlen“, sind für Richter Peter Mück die Gründe für das Schweigen klar. Verteidiger Alexander Wirth betont, dass es zahlreiche Widersprüche gäbe. Zum einen zum Tatablauf, zum anderen sei verwunderlich, dass die Frau auch nach dem Vorfall ihren „Job“ weiterhin ausübte. Außerdem gäbe es beim Sex nun mal verschiedene Spielarten, meint die Verteidigung. Das angebliche Opfer habe zudem nie von Vergewaltigung gesprochen.

Dass die Frau sich grob behandelt fühlte, glaubt Wirth, schließlich sei sie damals erst fünf oder sechs Monate im Geschäft gewesen. Dennoch – der Schöffensenat ist überzeugt, dass die Prostituierte vergewaltigt wurde. Denn auch in den Aussagen des Angeklagten finden sich zahlreiche Widersprüche. Einmal gibt er an, er sei stark betrunken gewesen, dann wieder, er sei nur etwas angeheitert gewesen.

Gleiches Recht

Einmal mehr betont Mück, dass Prostituierte nicht von vornherein unglaubwürdig seien und ebenso Vergewaltigungsopfer werden können wie andere Frauen auch. „Es kann nicht sein, dass ein Mensch dermaßen abqualifiziert wird, nur weil er auf den Strich geht. Was eine Frau mit ihrem Körper tut, ist einzig und allein ihre Sache“, begründet Mück den Schuldspruch. Das Opfer hatte nach dem Vorfall angeblich Würgemale und der ganze Körper schmerzte. Außerdem habe der Bauarbeiter gedroht: „Halt die Fresse, sonst hältst Du sie für immer.“ Wirth meldete gegen die vier Jahre Haft sofort Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.