Grüne Eier, Knoblauch und Permakultur

Vorarlberg / 22.03.2013 • 20:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Landwirte-Trio Sonja Steinscherer, David und Leo Simma ist von der permakulturellen Lebensweise angetan. Foto: privat
Das Landwirte-Trio Sonja Steinscherer, David und Leo Simma ist von der permakulturellen Lebensweise angetan. Foto: privat

Leo Simmas Bauernhof in Hittisau ist auch ohne EU-Förderung ein erfolgreicher Betrieb.

Heidi Rinke-Jarosch

HITTISAU. Seine Hennen legen grüne Eier. Und die haben nicht nur einen besonderen Eigengeschmack. „Die Eier von Grünlegern sind gesund, weil sie wenig negatives Cholesterin enthalten“, erklärt Leo Simma (45). Außerdem werden die insgesamt 40 frei laufenden Hühner mit Biofutter ernährt, haben einen weiträumigen Auslauf und bewohnen einen fahrbaren Hühnerstall. „Diesen schieben wir immer dorthin, wo das Gras frisch und saftig wächst.“

Die Grünleger sind nicht die einzige Besonderheit auf Leo Simmas Hof in Hittisau. Leo, der die Landwirtschaft 2006 erworben hat, betreibt sie – gemeinsam mit Sohn David und Geschäftspartnerin Sonja Steinscherer – nach dem Konzept der Permakultur. Das Prinzip ist ein ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiges Wirtschaften mit allen Ressourcen. „Unter anderem wird der Boden so bewirtschaftet, dass ihn unsere nachfolgenden Generationen auch noch nutzen können“, informiert Leo Simma. Die Kenntnisse hat Sonja erworben, und zwar in der Permakulturwerkstatt von Sepp und Marlies Brunner. Zur permakulturellen Lebensweise tragen auch Tiere bei. Auf Leos Hof sind es Gänse, Katzen, ein Hund und zwölf Bienenvölker, die zudem für ausreichende Honigproduktion sorgen. „Wir bauen biologisch an, sind aber weder zertifiziert noch EU-gefördert“, legt Leo Simma klar. Neben diversen Gemüsesorten kultiviert er auch Knoblauch. „80 Prozent des Knoblauchs werden aus China importiert. Dabei wächst er bei uns hervorragend.“

„Marmelade“ verboten

Im großen Kräutergarten wächst alles, woraus Gewürze wie Kräutersalz sowie verschiedene Sirup-Arten entstehen. Von den Obstbäumen wird ein Teil der Ernte für die Herstellung von Spirituosen und Marmelade verwendet. „Den Schnaps brennen wir selbst, auch die Marmelade produzieren wir selbst“, informiert er. Aber als solche darf Simma sein Fruchtprodukt nicht bezeichnen, weil es laut EU-Gesetz dafür zu wenig Zucker enthält. „Marmelade darf man nur draufschreiben, wenn über 54 Prozent Zucker beigefügt sind.“ Dies sei so, um die Haltbarkeit zu gewährleisten. „Wir stellen unsere Marmelade aus 75 Prozent reifen Früchten und nur 25 Prozent Zucker her“, erklärt Leo Simma, „zudem verwenden wir nur das Beste der Frucht.“ Resultat ist, dass sich der Absatz seiner „Marmelade“, die aber nicht so genannt werden darf, in den letzten Jahren immer verdoppelt hat.

Alles, was das Landwirte-Trio auf diesem Hof erzeugt, verkauft Leo Simma an den Wochentagen auf Märkten. Unter anderem hat er einen Stand vor dem Baywa-Baumarkt in Lauterach. Produziert wird in kleinen Mengen bei garantiert hoher Qualität.

Gedanken über die Zukunft der Landwirtschaft macht sich Leo Simma schon lange: „So wie sie heute großteils betrieben wird, hat sie keine gute Zukunft.“ Seine Idee: „Wir brauchen ein Produktionskonzept und ein Vermarktungskonzept. Zum Ersten: Verschiedene Produzenten wie Landwirte, Nebenerwerbler und Hausfrauen stellen regionale Produkte her. Zum Zweiten: Die Produkte müssen über eine Internetplattform vermarktet werden. Die Abnehmer wären Händler, Gastronomen und Endverbraucher in Vorarlberg. Auf der Internetplattform sollte man auch erfahren, wer die Produkte herstellt und wo man sie essen kann.“ Vor allem müsse eine nachhaltige ganzheitliche Struktur geschaffen werden, in der sich keiner privat bereichern darf.

Zur Person

Leo Simma

Geboren: 1968

Wohnort: Hittisau und Lauterach

Beruf: Landwirt und Kaufmann

Vorbild: Sohn David

Motto: Versprechen oder Vereinbarungen, die man getroffen hat, muss man unbedingt einhalten.