Produzieren ohne Abfall

Vorarlberg / 22.03.2013 • 20:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Rohstoffe der Erde sind begrenzt, die weitere Plünderung muss dem schonenden Umgang mit den Ressourcen weichen. Doch davon sind die Industrieländer noch meilenweit entfernt. Denn tagtäglich landen Unmengen hochwertiger Materialien im Abfall. „Die Natur zeigt, wie wir die Dinge besser machen können“, ist der österreichische Ökologe Dr. Michael Baumgart seit Langem überzeugt. Er hat gemeinsam mit dem US-amerikanischen Architekten William McDonough das Prinzip „Cradle to Cradle“ – entspricht übersetzt „Von der Wiege bis zur Wiege – entwickelt. Produkte und Produktionsprozesse sollen so konzipiert sein, dass sie niemals zu Müll werden: Sie sind entweder vollständig biologisch abbaubar oder komplett wiederverwertbar.

Damit wird Verschwendung kein Problem mehr. Und der Konsument soll mit dem, was er tut, nützlich sein für andere Stoffkreisläufe. „Cradle to Cradle“-Design ermöglicht, Materialien als Nährstoffe in diesen Kreisläufen zu halten. Sie sind für die Umwelt bedenkenlos. Dem gegenüber lassen die beiden Wissenschaftler technische Materialien wie Metalle und verschiedene Kunststoffe separat „kreislaufen“.

Dass es nicht bei einer Vision geblieben ist, zeigen weltweit mehrere Hundert Produkte, die nach diesem Prinzip entwickelt worden sind. Inzwischen ist ein internationales Netzwerk entstanden, das sich regional ausbreiten will. Die Stadt Graz ist ebenso Partner wie die „Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik“. Besonders aktiv: Das Schweizer Umweltforschungsinstitut EPEA führt mit einem erfahrenen Management-Team Projekte in allen Industriezweigen ein, auch in Österreich. Kein Abfall, kein Verzicht, keine Einschränkungen. Die richtigen Materialien zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, in endlosen Kreisläufen. Den Paradigmenwechsel bringen die Umweltforscher ganz einfach auf den Punkt: Die Natur als Vorbild befindet sich laufend in diesem Prozess. Blühende Bäume im Frühling sind scheinbar Verschwendung. Nur aus wenigen Blüten entstehen neue Bäume. Doch alle Blüten, die nicht der Vermehrung dienen, fallen zu Boden und werden zu Nährstoffen für andere Organismen. Eine geradezu nützliche Verschwendung.

office@mamkom.com
Marianne Mathis ist freie Journalistin .
Die VN geben Gastkommentatoren Raum, ihre persönliche Meinung zu äußern.
Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.