„Gedanken lösen Angst aus“

Vorarlberg / 24.03.2013 • 22:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In Tunnels bekommen viele Menschen Panikattacken – doch die Angst ist „verlernbar“, sagt die Verkehrspsychologin. Foto: VN/Steurer
In Tunnels bekommen viele Menschen Panikattacken – doch die Angst ist „verlernbar“, sagt die Verkehrspsychologin. Foto: VN/Steurer

Verkehrspsychologin Seidenberger über Tunnelangst und was man dagegen tun kann.

Schwarzach. (VN-sta) Beklemmungen, Schweißausbrüche, erhöhter Puls: Viele Menschen haben beim Durchfahren eines Tunnels mit Panikattacken zu kämpfen.

Welche Symptome zeigen Menschen mit Tunnelangst?

Marion Seidenberger: Es können körperliche Symptome sein: Schweißausbruch, Schüttelfrost, feuchte Hände, ansteigender Blutdruck, erhöhte Atem- und Herzschlagfrequenz, weiche Knie, kribbelige Beine, Harndrang. Einige Personen verspüren ein „Zittern“ oder „Hämmern“ in der Brust, verbunden mit dem Gefühl von einem „Frosch im Hals“. Gefühlsmäßig wird Anspannung und Ängstlichkeit empfunden. Zudem sind die Betroffenen unkonzentriert und malen sich aus, was alles Schlimmes geschehen könnte. Manche versuchen solche Fahrten zu vermeiden oder nehmen Umwege in Kauf. Vielfach werden Aus­reden verwendet, um nicht als Tunnelphobiker „geoutet“ zu werden.

Wie weit verbreitet ist Tunnel­angst?

Seidenberger: Zahlen dazu gibt es nicht. Untersuchungen in Deutschland haben aber gezeigt, dass zwei von fünf Menschen unter leichten Ängsten leiden. Jeder Zehnte wird im Alltag durch seine Angst stark eingeschränkt.

Was kann man gegen eine Tunnelphobie tun?

Seidenberger: Angst ist ein unangenehmes Gefühl, das man gerne vermeidet. Dadurch wird aber die Ursache nicht behoben – die Ängste können sich vielmehr verfestigen und resistenter werden. Generell muss man sich klarmachen, dass Ängste entstehen, weil man eine Situation als gefährlich bewertet. Gedanken lösen dieses Gefühl aus.

Medienberichte über zahlreiche tragische Unfälle werden von sensiblen Personen „verschlungen“. Sind sie dann selbst im Auto unterwegs, können die gelesenen Berichte in Gedanken wieder auftauchen und Ängste verursachen.

Was sollten Menschen mit Tunnelangst vor Antritt einer Reise beachten?

Seidenberger: Ängste sind beherrschbar. Wenn man lernt, dass die Angst „verlernbar“ ist und nachlässt, dann kann man Tunnel wieder angstfrei durchfahren.

Professionelle Unterstützung erhält man von Therapeuten. Aber auch Autosuggestion kann helfen, indem man sich beispielsweise vorsagt: „Ich weiß, dass ich gleich Auswirkungen spüren werde, weil ich bisher immer gedacht habe, dass die Situation gefährlich ist. Diese Gefühle entstehen nur durch meine Gedanken und werden vorübergehen. Ich werde sie ertragen, obwohl sie unangenehm sind, und bleibe ruhig.“ Eltern sollten sich außerdem bewusst sein, dass Ängste übertragen werden können. Man sollte im Auto also nicht andauernd darüber berichten, da Kinder diese Infos aufnehmen.

Angst ist ein unangenehmes Gefühl, das man gerne vermeidet.

Marion Seidenberger