„Nur enkeltaugliche Eingriffe“

Vorarlberg / 26.03.2013 • 18:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Krähen im Ried: Sie rauben die Nester von Bodenbrütern aus. Ihre starke Population bereitet deswegen Probleme. Foto: vol.at
Krähen im Ried: Sie rauben die Nester von Bodenbrütern aus. Ihre starke Population bereitet deswegen Probleme. Foto: vol.at

Naturschutz-Landesrat Erich Schwärzler fordert sorgsamen Umgang mit Lebensräumen.

Bregenz. (VN-hk) Schon wieder gibt es in der Vorarlberger Wildtierwelt ein Problem. Dieses Mal sind es die Krähen. Es gibt zu viele. Und weil das so ist, leiden andere Tiere darunter. Bodenbrüter im Ried sind durch die schwarzen Vögel bedroht, die Landwirtschaft klagt über weggefressenes Saatgut und angepickte Silo-Ballen. Sogar Menschen an der Peripherie von Naturgebieten fühlen sich belästigt. Sie berichten von Überfällen der gefiederten Eindringlinge auf Balkone und Gärten, die dort Verwüstungen anrichten und plündern. Wieder einmal werden Sonder-Jagdgenehmigungen für ein nach EU-Vogelschutzrichtlinien geschütztes Tier gefordert – und auch erteilt.

Wie bei den Kormoranen

„Wir haben eine Überpopulation von Krähen. Das kann man nicht wegdiskutieren“, räumt Naturschutz-Landesrat Erich Schwärzler (60) ein. „Der Vogel hat seine Berechtigung bei uns. Aber eben in einer Zahl, bei der nicht andere, schwächere Artgenossen bedroht sind und dadurch ein Ungleichgewicht entsteht“, macht Schwärzler klar. Er vergleicht die Krähen-Plage mit der Kormoran-Überpopulation. „Auch dort mussten wir den Bestand durch Abschuss-Genehmigungen regulieren. Auch das war richtig.“

Keine natürlichen Feinde

Immer wieder sieht sich der Naturschutz-Landesrat vor Probleme mit bestimmten Tierarten gestellt. Kormorane, Krähen, aber auch zu viel Wild, plötzlich auftretende Wildschweine mit einem erheblichen Schadenspotenzial, Überpopulationen bei Füchsen und Dachsen – die Natur tut nicht so, wie es der Mensch gerne hätte. „Es gibt Tierarten, denen die natürlichen Feinde abhandengekommen sind. Kommt hinzu, dass die Lebensräume kleiner werden. Was natürlich auch mit der Ausweitung von touristischen Aktivitäten in bislang unberührten Gebieten zu tun hat“, macht sich Schwärzler grundlegende Gedanken. „Die sich daraus ergebenden Notwendigkeiten sind offensichtlich: Man muss Bestände reduzieren und /oder Lebensraum-unterstützende Maßnahmen setzen.“

Blick aufs Ganze

Als Konsequenz genannter Fehlentwicklungen fordert der Landesrat „wieder stärker den Blick aufs Ganze“. Man dürfe bei Entscheidungen mit Auswirkungen auf die Natur nicht nur von der Gegenwart ausgehen. „Wir müssen uns fragen, welche Auswirkungen auf Tierwelt und Natur bestimmte Eingriffe haben. Wir brauchen enkeltaugliche Entscheidungen und eine echte Lebensraumpartnerschaft.“ Das könne auch bedeuten, „dass man ab und zu Nein sagt zu Eingriffen in die Natur“. Die Menschen hätten laut Schwärzler durchaus auch ein gutes Empfinden dafür entwickelt, was der Natur zuzumuten ist und was nicht. Die Absage an die Panorama-Bahn im Kleinwalsertal sei dafür ein gutes Beispiel.

Die Menschen haben ein Empfinden dafür, was der Natur zu­zumuten ist und was nicht.

erich schwärzler