Die Zeit ist reif für eine genaue Kennzeichnung von Lebensmitteln

Vorarlberg / 28.03.2013 • 21:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Verbraucher können sich nach so vielen Lebensmittelskandalen derzeit einfach nicht 100-prozentig sicher sein, dass das drin ist, was draufsteht.
Die Verbraucher können sich nach so vielen Lebensmittelskandalen derzeit einfach nicht 100-prozentig sicher sein, dass das drin ist, was draufsteht.

Landwirtschaftskammer für Qualitätssiegel – Zwei Standorte für Haus der Landwirtschaft werden geprüft.

Klaus. (ha) Lebensmittelbetrügereien aus jüngster Zeit, wie etwa die Verwendung von Pferdefleisch ohne Deklarierung, haben das Vertrauen der Konsumenten erschüttert. Für die Landwirtschaftskammer Grund genug, solchen Machenschaften einen Riegel vorzuschieben. Auf der Vollversammlung in Klaus forderte Präsident Josef Moosbrugger strengere Bestimmungen: „Die Lebensmittelkennzeichnung muss auf EU- und Österreich-Ebene verbessert werden, den Täuschern ist das Handwerk zu legen.“

Mit Täuschern meint Moosbrugger auch solche Produzenten, die ungeniert mit Begriffen, die eigentlich heimischen Produkten vorbehalten wären, für ihre Erzeugnisse werben: „Die Attribute ,Bauern‘ und ,Berg‘ dürfen nur für Produkte verwendet werden, die tatsächlich von Landwirten oder bäuerlichen Kooperationen im Berggebiet erzeugt werden.“ Um unseriösen Praktiken einen Riegel vorzuschieben, wünscht sich der Präsident eine durchgängige Kennzeichnung der Lebensmittel vom Erzeuger bis zur Speisekarte im ­Restaurant. Ziel sei es, mit einem einheilichen Herkunfts- und Qualitätssiegel mehr Produzenten- und Konsumentensicherheit zu erreichen.

Flächen erhalten

Kritisch sieht Moosbrugger die Umwidmung von Flächen aus der Landesgrünzone in Bauland: „Das ist für die Landwirtschaft unerträglich.“ Das Argument einer „höherwertigen Nutzung“ von landwirtschaftlichen Böden lässt er nicht gelten, da die Lebensmittelerzeugung einen hohen Stellenwert hat, vor allem zur Sicherung der Lebensmittel-Grundversorgung. Bauland gebe es laut Raumplanung genug: 42 Prozent der gewidmeten Flächen in Vorarlberg sind nicht verbaut. Würden sie verwertet, könnte man Wohnraum für 170.000 Menschen schaffen.

Auf der Wunschliste der Kammer steht nach wie vor ein zentrales Gebäude für die Landwirtschaft, unter dessen Dach wichtige bäuerliche Einrichtungen Platz haben, angefangen von einer Viehversteigerungshalle über eine Ausstellungshalle bis zur Verwaltung. „Eine Zusammenführung der bäuerlichen Strukturen in einem Gebäude wäre sinnvoll“, ist Moosbrugger überzeugt. In den letzten Jahren waren mehrere Standorte im Gespräch, übrig geblieben sind nach langen Diskussionen zwei, und zwar in der Nachbarschaft des Bäuerlichen Schul- und Bildungszentrums Hohenems sowie auf dem Gelände der Viehversteigerungshalle in Dornbirn-Schoren, wo die Kammer jetzt schon über rund 5000 Quadratmeter Grund und Boden verfügt. Die restliche Fläche gehört der Stadt.

Keine Eile bei Standort

Eine Entscheidung könnte noch auf sich warten lassen, sagt Moosbrugger: „Wir stehen nicht unter Druck, denn vorerst haben wir ein Dach über dem Kopf. Zuerst müssen viele Fragen geklärt werden, von der Finanzierung bis zu erforderlichen Widmungen.“

Ursprüngliche Pläne, in der Nachbarschaft des Messegeländes zu bauen, wurden fallen gelassen. Die Kosten für ein Landwirtschaftliches Zentrum im Südwesten Dornbirns wurden damals auf fünf bis sechs Millionen Euro geschätzt.