Obdachloser muss zum Psychiater

Vorarlberg / 28.03.2013 • 22:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte muss vielleicht noch lange „sitzen“. Foto: VN/Hofmeister
Der Angeklagte muss vielleicht noch lange „sitzen“. Foto: VN/Hofmeister

48-Jähriger soll einen jungen Mann in einem öffentlichen WC vergewaltigt haben.

feldkirch. (ec) Am Landesgericht musste sich gestern ein 48-Jähriger wegen Vergewaltigung verantworten. Dem Obdachlosen wird vorgeworfen, einen Burschen im öffentlichen WC in der Nähe des Klosters St. Peter in Bludenz missbraucht zu haben. Die Tat soll sich im Dezember vergangenen Jahres gegen 20 Uhr ereignet haben. Dem Alkoholiker war angeblich schlecht und der junge Mann begleitete ihn deshalb aus Hilfsbereitschaft aufs WC. Dort soll der Angeklagte plötzlich zugesperrt haben.

Vor der Polizei sagte der Obdachlose bei seiner Einvernahme noch ganz klar aus: „Ich wollte mit dem Jungen alleine sein, weil ich Sex mit ihm haben wollte, denn ich mag junge Männer. Ich habe gleich den Mantel ausgezogen, ich kann mich an alles genau erinnern. Er zog die Hose von sich aus runter“, gab der Mann damals an. Plötzlich habe der Junge nicht mehr wollen, war damals die Verantwortung des Beschuldigten. Gestern in der Verhandlung sagt der U-Häftling fast gar nichts. Er zieht sich zurück, starrt auf den Boden. Richter Peter Mück gibt sich viel Mühe, den Mann zum Reden zu bringen, doch der Befragte starrt nur in die Luft, antwortet kaum, sagt, er könne sich das alles nicht vorstellen. „Ich will meine Ruhe“, schließt er endgültig das Kommunikationsfenster. Daraufhin entscheidet der Schöffensenat, dass ein Psychiater den Beschuldigten untersuchen muss. Er gibt ernsthafte Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit.

Belastende Vergangenheit

Die Vorstrafen des Beschuldigten bestätigen, dass er immer wieder Jungs belästigt. Wenn er betrunken ist, hat er sich nicht unter Kontrolle. Bereits vor 15 Jahren wurde der Oberländer wegen Kindesmissbrauchs verurteilt. In der Folge kamen weitere Verurteilungen wegen sexueller Belästigung und öffentlicher geschlechtlicher Handlungen dazu. Im Fall einer Verurteilung wegen Vergewaltigung droht dem Beschuldigten eine happige Haftstrafe. Ist der Mann hingegen nicht zurechnungsfähig, steht eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher zur Debatte. Der Prozess wurde bis zum Vorliegen des Gutachtens vertagt.