Rettungshubschrauber-Pilot wurde von Laser geblendet

Vorarlberg / 29.03.2013 • 22:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Bub hat in Feldkirch den Rettungshubschrauber „C8“ mit einem Laser anvisiert. Foto: vn/hofmeister
Ein Bub hat in Feldkirch den Rettungshubschrauber „C8“ mit einem Laser anvisiert. Foto: vn/hofmeister

„C8“ wurde bei Landung auf Feldkircher Spital Ziel einer Laserpointer-Attacke.

feldkirch. Es passierte vergangenes Wochenende auf dem Dach des Landeskrankenhauses Feldkirch: Der Rettungshubschrauber „C8“ ist gerade gelandet. An Bord ein Flugretter, ein Notarzt und ein Patient. Der Pilot wird plötzlich von einem grünen Strahl getroffen. Er ist einen Moment blind. Mehrere Minuten lang sieht er nur noch verschwommen. Unmittelbar nach der Laserpointer-Attacke erstattet der Pilot bei der Polizei Anzeige. Es dauert nur kurze Zeit, bis der Verantwortliche ausgeforscht werden kann. Der 12-jährige Bub zieht ohne zu zögern seinen Laserpointer aus der Tasche und übergibt ihn unter Tränen den Beamten.

„Dem Bub war sicher nicht bewusst, was er mit der Attacke angerichtet hat bzw. was er damit anrichten hätte können“, ist sich Harald Öhre, leitender Pilot des „C8“-Stützpunktes der Vorarlberger Bergrettung, sicher. „Da unser Pilot genau gesehen hat, aus welcher Richtung und von welchem Balkon der Strahl gekommen ist, konnte der Vorfall gleich geklärt werden“, berichtet Öhre. Weil der Hubschrauer schon gelandet war, sei die Sicherheit der Crew und des Patienten glücklicherweise nicht gefährdet gewesen. Da der Bub nicht strafmündig ist, drohen ihm sowieso keine rechtlichen Konsequenzen.

Erster Fall in Vorarlberg

In Vorarlberg sei so etwas bislang noch nie vorgekommen. „Es ist wichtig, dass die Leute über die Gefahren, die von so einer Aktion ausgehen, informiert werden“, sagt Öhre. Da bei einem Rettungseinsatz oft jede Sekunde zählt, können solche Attacken Leben gefährden.

So, wie es beim Vorfall in Wien-Donaustadt der Fall war, der sich am selben Tag ereignet hat: Auch dort wurde ein ÖAMTC-Notarzthubschrauber Ziel einer Laserpointer-Attacke. Der Pilot befand sich gerade im Landeanflug auf das Dach des Donauspitals, als ihn ein Strahl blendete. An Bord des Intensivtransport-Hubschraubers befand sich ein Baby mit Inkubator. Auch in diesem Fall sah der Pilot nach der Landung mehrere Minuten lang verschwommen.

Bekannt ist auch eine Laserblendung aus dem Jahr 2011. Im August hatten zwei Jugendliche in Steyr einen ÖAMTC-Rettungshubschrauber-Piloten geblendet. Die Justiz leitete danach ein Verfahren wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit ein. Einer der Burschen wurde vom Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt, der andere kam mit einer Diversion davon.

Piloten schlagen Alarm

In Deutschland schlagen die Piloten immer wieder Alarm. Der ADAC zählte in den vergangenen zwei Jahren 22 Laser-Attacken auf deren Rettungshubschrauber-Piloten. In fünf Prozent der Fälle sei der Pilot nicht mehr in der Lage gewesen, sicher weiterzufliegen. Vier Landeanflüge mussten abgebrochen werden.

Lasertreffer können je nach Entfernung, Scheibenbeschaffenheit und Einstrahlwinkel unter Umständen bleibende Verbrennungen, Blutungen, Sehverschlechterungen oder Gesichtsfeldausfälle verursachen.

Wirkliche praktische Schutzvorrichtungen für die Piloten gibt es bislang nicht, wie der ADAC unlängst in einer Aussendung berichtete. Der derzeit einzig verfügbare passive Schutz seinen auf dem freien Markt erhältliche Laserschutzbrillen. „Wenn der Strahl auf das Plexiglas trifft, teilt er sich und blendet die Crew. Solche Brillen schützen zumindest das Auge selbst. Das Problem ist damit aber noch nicht gelöst“, erklärt Öhre.

Dem Bub war nicht bewusst, was er mit dieser Attacke angerichtet hat bzw. anrichten hätte können.

harald öhre