Monika Helfer

Kommentar

Monika Helfer

Schandbares Kapitel

Vorarlberg / 02.04.2013 • 20:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Was an Essen übrig blieb, kam in den Sautrog. Nicht auf der Saualm in Kärnten. Dort mussten die Menschen froh sein, wenn sie Saufutter zu essen bekamen. Wenn das Saufutter nicht auch noch verdorben war. Und hatte man sich den Magen verdorben, kam kein Arzt, gab es kein Medikament. Das geschah mit Asylanten. Dort gab es für 17 Menschen eine Stunde warmes Wasser pro Tag, eine Toilette, eine Dusche.

Wie geht das? Können siebzehn Menschen in einer Stunde geduscht sein? Und dann die Toilette. Immer steht einer davor und hämmert mit der Faust an die Tür und flucht.

Warum diese Pein? Weil es sich hier um eine Sonderanstalt für mutmaßlich straffällige Asylwerber handelt? Was heißt mutmaßlich? Impliziert es die Möglichkeit der Kriminalität? Und was heißt das? Stefan Petzner, der damalige Pressesprecher von Jörg Haider, hatte das so formuliert: „Wir bringen kriminelle Ausländer an einen Ort bei den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen, der entsprechend gesichert ist, damit sie niemandem etwas tun können.“

Etliche Politiker aus dieser Ecke sind heute „mutmaßliche“ Verbrecher.

Die Heimleiterin ist eine Frau aus Eisen, die, wie sie sagt, nur drei Minuten zum Duschen benötigt. Fernsehen und Internet drehte sie ab. Wie also verbringen die Asylanten ihre Zeit? Sie kommen aus verschiedenen Krisengebieten. Moslems wird Schweinefleisch vorgesetzt, schließlich haben sich diese Leute unseren Gewohnheiten anzugleichen, das sei das Mindeste, religiöse Empfindungen fremder Art sind ein Luxus. Tiere werden von der Heimleiterin selbst geschlachtet und ohne tierärztliche Kontrolle den Asylanten als Essen serviert.

„Durch diese Handlungen waren die Asylwerber einem unleugbaren Gesundheitsrisiko ausgesetzt, und es erscheint evident, dass Asylwerber ohne ausreichende Achtung der Menschenwürde untergebracht waren.“ Das konstatierten die Volksanwälte.

Für traumatisierte Asylwerber gab es keine psychologische Betreuung. Sie mussten um ihr Taschengeld bitten. „Wurden sie zu Arbeiten herangezogen, geschah das unter massiver Verletzung arbeitsrechtlicher Bestimmungen.“ Man könnte es einfacher formulieren: Sie waren abhängig und mussten froh sein, geduldet zu werden.

Es gibt die Aussage von Landeshauptmann Dörfler: „Würde die ‚Saualm‘ ‚Heidialm‘ heißen, wäre alles in Ordnung.“

Dann endlich, als ihm das Ganze über den politischen Kopf wächst, lässt er verlauten: „Die Saualm ist Geschichte und wird ab sofort geschlossen.“ Und zwar Geschichte Ihrer Gesinnungsgemeinschaft, Herr Dörfler!

monika.helfer@vn.vol.at
Monika Helfer ist Schriftstellerin und lebt in Hohenems.
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