Vor 40 Jahren in die Kabellosigkeit

Vorarlberg / 02.04.2013 • 21:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Erfinder Martin Cooper führte am 3. April 1973 das erste Telefongespräch mit einem Handy.

SCHWARZACH. (VN-toh) Vor 40 Jahren erregte Martin Cooper noch Aufsehen, wenn er unterwegs sein ein Kilo schweres Mobiltelefon zur Hand nahm. Heute gehören Handys zum Alltag. Noch mehr: Sie sind nicht wegzudenken.

Heute auf den Tag genau vor 40 Jahren führte Handy-Erfinder Martin Cooper das erste Telefongespräch mit einem Handy. Jeder, der schon mal auf dem Weg zu einer wichtigen Verabredung im Stau steckte, hat ihm das gedankt.

Viele haben ihn aber auch schon verflucht. Wenn im Kino ein durchdringender Klingelton die romantische Stimmung stört oder in der S-Bahn fünf Unentbehrliche zur gleichen Zeit lautstark telefonieren, dann haben wir es Martin Cooper zu verdanken.

Per Twitter: Für freie Netzwahl

Heute tritt der ehemalige Motorola-Ingenieur für eine möglichst umfassende Wahlfreiheit von Verbrauchern bei der Nutzung mobiler Geräte ein.

„Mehr Wettbewerb ist besser!“, twitterte der 84-Jährige gestern. Wenn es keine Gerätesperren oder andere Einschränkungen bei Vertragsbindung gebe, könne der Verbraucher frei wählen, welcher Mobilfunkbetreiber für die persönlichen Bedürfnisse am besten geeignet sei. Zu den mobilen Betriebssystemen schrieb Cooper auf Twitter, er habe sehr gute Erfahrungen mit Windows 8 auf dem Smartphone gemacht, „aber alle Betriebssysteme sind komplexer, als sie sein müssten“.

Fortschritt durch Wettbewerb

In einem Interview mit einem Projekt zur Technikgeschichte an der kalifornischen Universität Stanford sagte Cooper 2007, sein Team habe der Welt beweisen wollen, dass „ein kleines Unternehmen wie Motorola die Fähigkeit hatte, eine solche Technologie zu entwickeln“ – nachdem die Telefontechnik zuvor ganz von den AT&T Bell Labs dominiert worden sei. Cooper war es, der dann am 3. April 1973 auf der Sixth Avenue in New York das erste Handy-Gespräch mit einem Motorola Dynatac führte, das wegen seiner großen Batterie etwa ein Kilogramm schwer war und eine Betriebszeit von 20 Minuten hatte.

Mit Anruf Konkurrenz geärgert

Sein Gesprächspartner war Joel Engel, Technikchef bei AT&T, dem Cooper mit seiner Pioniertat demonstrieren wollte, dass das Telefonieren von unterwegs möglich war. Der Anruf wurde von einer Mobilfunkstation auf einem New Yorker Hochhaus ins Festnetz weitergeleitet. Nach dem ersten Handy-Gespräch habe es aber noch zehn Jahre gedauert, bis die zuständige Behörde FCC das erste Frequenzspektrum für ein kommerzielles Mobilfunknetz freigegeben habe, erinnert sich Cooper, der heute seine eigene Telekommunikationsfirma leitet.

50 Prozent Smartphones

Heutzutage ist die Handy-Branche in der Smartphone-Welt angekommen. Smartphones lösen europaweit herkömmliche Handys ab. Laut der Marktforschungsfirma Comscore war der Dezember 2012 der erste Monat, im dem Smartphones in allen EU-Ländern mehr als die Hälfte der genutzten Mobiltelefone ausmachten.

Dabei ergaben sich deutliche regionale Unterschiede: Während in Großbritannien 64 Prozent aller genutzten Mobiltelefone Smartphones sind, kommen die Computerhandys in Deutschland nur auf einen Anteil von 51 Prozent. Hier haben also noch vergleichsweise viele Menschen ein einfaches Handy ohne Internetfunktionen. Doch eines ist in allen Regionen gleich: Das Handy mit seinen Vorzügen sowie seinen Kollateralschäden zählt zum Alltag. Genau das war es, was Cooper wollte. Die Leute sollten ihre Telefone überall hin mitnehmen können.