Doris Knecht

Kommentar

Doris Knecht

Wie man richtig Reis kocht

03.07.2013 • 18:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

In der großen Stadt haben die Ferien schon angefangen, und marandjosef, es war auch höchste Zeit. Die Stimmung im Kinderzimmer war nur noch bei geschlossenen Türen zu ertragen; so viel gekeppelt wurde da drin selten. Das anhaltende Herbstwetter trug auch nicht viel zur Entspannung bei. Der Umstand, dass der Nachwuchs aufgrund diverser Schulschlussabschlussfeiern, Karate-Ferieneis­essen, Kindergeburtstage, Tanz- und Schultheateraufführungen selten vor Mitternacht ins Bett kam, ebenfalls nicht, und dass das Kennenlerntreffen der neuen Schule ausgerechnet und gerade noch am vorletzten Schultag stattfinden musste, verdichtete das eh schon kaum mehr bewältigbare Programm noch zusätzlich. Die Laune der Kinder verbesserte es nicht, was wiederum die Nervenstränge der Mutter, die von den vielen Sachen, die man unbedingt vor den Ferien noch erledigen muss, bereits überstrapaziert waren.

IHR HÖRT JETZT SOFORT AUF ZU STREITEN ODER ICH …!!!!!

Mutter, du bist derzeit schon ziemlich empfindlich. Kann schon sein, aber der Umstand, dass ich empfindlich bin, bedeutet nicht, dass ihr nicht unvorstellbar nervt.

Jetzt jedenfalls Ferien. Endlich. Und bald ans Meer. Am Meer werden die Erwachsenen am Strand liegen und deppert reden, während die Kinder irgendwelche Wassersachen machen werden und dem Eiswagen nachjagen und an den Trödelständen Trödel kaufen und sich mit batteriebetriebenen Spritzpistolen nachlaufen. Wir sind viele. Die Kinder haben gesagt, wir brauchen uns gar keinen Urlaub überlegen, in dem wir nur unter uns sind, da fahren sie nicht mit, das ist ihnen zu langweilig. Also fahren wir zu siebzehnt, wieder mit den anderen, die, mit denen wir früher auch schon gefahren sind, und wieder an den-selben Ort, nur dass wir diesmal noch mehr sind. Und dass wir uns heuer auf verschiedene Häuser aufteilen werden, damit sich die Herren Väter nicht wieder über die korrekte Zubreitung von Reis in die Haare kriegen wie genervte Kinder am Ende des Schuljahrs. Ja, das geht, wenn man zu zwölft in einem nicht so großen Haus zusammenpickt, da finden sich so ab der zweiten Woche selbst zwischen Menschen, die schon jahrelang intensiv befreundet sind, zahllose Gründe für depperte zwischenmenschliche Konflikte. Und da die Kinder schon zu groß sind, um sich über ihre Erziehung und welches Kind was wann darf oder muss in die Haare zu kriegen (beliebtester Urlaubsstreitgrund Nr. 1), tut man es eben wegen des Essens und des Kochens (beliebtester Urlaubsstreitgrund Nr. 2.)

Aber diesmal wird alles ganz anders. Wir werden nicht streiten, sondern, nachdem wir das Strandzeug zusammengerafft haben, in der Abendsonne in der Poseidon-Bar sitzen, Schirmchengetränke trinken und den Segelbooten zuschauen, die sich in den schmalen Hafen fädeln, und überlegen, ob wir im einen Gasthaus essen sollen oder im anderen. Das wird schön sein. Wir werden alle gute Laune haben, ganz entspannt.

doris.knecht@vn.vol.at
Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin.
Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.
Die VN geben Gastkommentatoren Raum, ihre persönliche Meinung zu äußern.
Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.