Feinstaub: Grenzwerte zu hoch

Vorarlberg / 24.07.2013 • 20:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Vorarlberg beteiligte sich mit der größten Datensammlung an europaweiter Studie.

Schwarzach. (VN-mm) Feinstaub ist der ärgste Feind der Lunge. Das hat eine neue, von der EU finanzierte Studie bestätigt. Federführend daran beteiligt war auch Vorarlberg. „Wir haben 108.000 Personendaten und 380 Fälle von Lungenkrebs in die Untersuchung eingebracht“, so Dr. Hans Concin, Leiter der aks-Wissenschaft. Damit steuerte Vorarlberg den größten Anteil an Daten bei. Das Ergebnis sollte zu denken geben: Feinstaub erhöht das Lungenkrebsrisiko um 22 Prozent. Selbst wenn die Konzentration weit unter dem als streng geltenden Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegt. Jetzt gehen Experten davon aus, dass die EU diese Schwelle weiter herabsetzen wird.

Schutzlos ausgeliefert

Das Messgebiet erstreckte sich von Nordschweden bis Athen. Vorarlberg liegt, was die Belastung mit Feinstaub pro Kubikmeter Luft angeht, im Mittelfeld von 14 erfassten Regionen. Ebenfalls untersucht wurden die Auswirkungen von Stickoxiden. Im Gegensatz zum Feinstaub haben sie keinen Einfluss auf die Krebsentstehung.

Die meisten Lungenkrebserkrankungen, derzeit rund 180 pro Jahr, sind zwar nikotinbedingt. Aber: „Mit dem Rauchen kann jeder aufhören, dem Feinstaub hingegen sind alle schutzlos ausgeliefert“, erklärt Concin die Brisanz. Vor allem Kleinstpartikel, die oft nur einen Durchmesser von einigen Millionstel Millimeter aufweisen, verfügen über ein hohes Gefährdungspotenzial. Sie können über die Atemwege bis in feinste Verästelungen der Lunge gelangen und Lungenfunktion wie Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen. „Zudem enthalten etwa Rußpartikel aus Verbrennungsmotoren krebserregende Substanzen“, gibt Mag. Bernhard Anwander von der Umweltabteilung des Landes weiter zu bedenken.

Vorarlberg verfügt über acht Luftgütestationen mit Feinstaubmessungen. Im Sommer werden die Infos halbstündlich abgerufen und aktualisiert, während des übrigen Jahres dreiviertelstündlich. Die Messstellen an der Stadtstraße in Dornbirn sowie an der Bärenkreuzung in Feldkirch verfügen über ­Online-Messungen. An diesen stark frequentierten Punkten lag die Feinstaub­belastung gestern bei 17 bzw. 18 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Am Tag davor zeigte der Mittelwert 21 an, war also klar unter dem ­zulässigen Jahresmittel von 40.

Elektromobilität forcieren

Überschreitungen treten allerdings hauptsächlich im Winter auf, wenn zu den Autos noch Heizanlagen ihren Dreck in die Luft schleudern. Eine Inversionswetterlage lässt die ­Feinstaubkonzentrationen dann deftig hinaufschnellen. „Bei den Tagen mit Grenzwertverletzungen sind wir im Vergleich zu Großstädten aber noch gut dran“, sagt Anwander. „Handlungsdruck“ spürt er trotzdem. So sollte unter anderem die Elektromobilität forciert werden. Auch bei Heizungsanlagen sieht er Verbesserungspotenzial. Für Dr. Hans Concin ist Feinstaub eine Problematik, die „europaweit bekämpft werden muss“.

Weltweit wird Feinstaub für etwa 2,1 Millionen Todesfälle jährlich verantwortlich gemacht.

Rußpartikel enthalten auch krebserregende Stoffe.

Bernhard Anwander

Stichwort

Feinstaub. Wird auch als „Particulate Matter“ (PM) bezeichnet, wobei die durchschnittliche Teilchengröße als Zahlenwert in Mikrometer angefügt wird. PM10 steht für Teilchen mit einem Durchmesser von 10 Mikrometer (1 Mikrometer ist 0,001 mm) und darunter. Das Immissionsschutzgesetz-Luft sieht strenge Grenzwerte für die Feinstaubbelastung vor. Der Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft darf an höchstens 30 Tagen im Jahr überschritten werden. Der Grenzwert für das Jahresmittel liegt bei 40 Mikrogramm.