Der wahre Eigentümer

Vorarlberg / 08.08.2013 • 17:09 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Dass gestern Weltkatzentag gefeiert wurde, hat ihn nicht zu besonderer Eile veranlasst. Wie jeden Tag etwa zur selben Zeit sucht seine Pfote den Durchstieg in der Thujenhecke. Dann schiebt er den mächtigen Körper hinterher und trottet gelassen den Gartenweg entlang.

Dass dieser impertinente Kater schon früher als die jetzigen Besitzer hier gewohnt hat, ist auszuschließen. Er wäre nach Menschenjahren sonst wenigstens 130 Jahre alt. Einzig seine offen zur Schau getragene Inkontinenz deutet in diese Richtung. Ansonsten nährt er sich redlich. Überall. Mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der er unser Grundstück offenkundig als das seine betrachtet, hat er sich bei Nachbarn als Kostgänger eingestellt.

Jetzt hat er den halben Weg hinter sich. Er hält inne. Wendet den Kopf zu mir. Und fletscht die Zähne. Aber nicht bösartig. Das lang­anhaltende Gähnen bringt vielmehr ein müdes „Der schon wieder“ zum Ausdruck. Und ein gönnerhaftes „Na, meinetwegen“. Wie ein Gutsbesitzer, der einen alten Knecht gewähren lässt.

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