Oh Gott, was für ein Urlaub . . .

Vorarlberg / 09.08.2013 • 16:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Drei Wochen kein Fernsehen, drei Wochen kein Internet, drei Wochen keine Zeitung, drei Wochen kein Radio, drei Wochen nur ein „Uralthandy“ für „Notfälle“. Und sonst? Ruhe und nochmals Ruhe, zurückgezogen in einem Ort mit gut 500 Einwohnern, weit weg vom Getöse der Welt, zurückgeworfen auf sich selbst, die Bibel und einige andere Bücher im Gepäck. Das einzig „Laute“ waren die kleinen Maschinen, die die Weinbauern zur Pflege ihrer Weinberge einsetzten, und der gelegentlich vorbeifahrende Traktor. Die ersten Tage waren so richtig zum Ausschlafen, um sich dann der paradiesischen Umgebung zu widmen.

Was es da alles zu entdecken gab

Eine Unmenge von Schwalben, die in wahrlich abenteuerlichen Kunstflügen Jagd auf die Insekten beim Swimmingpool machten, Schmetterlinge in ihrer Farbenpracht, Käfer; viele verschiedenste Vögel, die durch ihren Gesang nicht nur den Morgen einläuteten, sondern auch untertags die Stille durchbrachen, und jeden Abend die Haselmäuse, die, Seiltänzern gleich, vom Dachboden des Hauses aus, über das gespannte Drahtseil zur Erde zwischen den zahllosen Haselnusssträuchern ihre Runden drehten und nach Fressbarem suchten. Riesige Weinberge, verschiedenste Pflanzen, Sträucher und Bäume und meist ruhige und gelassene Menschen um sich herum. Der Duft der italienischen Küche, der gute Wein und auch das stumpfe Pizzamesser durften nicht fehlen. (Aber „man“ hat ja ein gut schneidendes Taschenmesser mit), Auch keine Termine, dank Helfer im Pfarrbüro und „rund um die Kirche“.

Achtsamkeit

Ich durfte in diesen drei Wochen ein Stück Achtsamkeit wieder neu entdecken. Wir schlafen oft und merken gar nicht, was um uns herum ist. Wir nehmen die Schönheit nicht mehr wahr und das Glück, das so zum Greifen nahe scheint. Wir suchen es vielfach anderswo, in unseren Träumen, in Illusionen, die wir uns machen. Nur wer die Augen aufmacht, wer achtsam ist, kann – abseits von „Jubel, Trubel, Heiterkeit“ völlig neue Dinge entdecken. Dann stört es auch nicht, wenn ich, in der Lektüre vertieft, mir eine sehr schmerzhafte und blutende Schienbeinprellung zugezogen habe, weil eine schwere hölzerne Liege beim Swimmingpool meinen Weg unvorhergesehen kreuzte.

Ahnungen . . .

. . . kommen hoch: alles, was ich sehe, rieche, höre und wahrnehme, sind Geschenke. „Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein“, formulierte einmal Johann Wolfgang Goethe. Aber mehr noch: Da ist noch etwas. Es ist so, als würde ich angerührt, getragen von dem, den ich in meiner Sprache „Gott“ nenne, der seit meiner Taufe vorbehaltlos Ja zu mir und zu meinem Leben gesagt hat.

Dankbarkeit

Zudem: Dass ich dann, wie ich nach Hause komme, feststellen darf, dass trotz meiner Abwesenheit die Kirchtürme in Hörbranz und Hohenweiler immer noch stehen, die Menschen immer noch nett, freundlich und hilfsbereit sind – auch das ist eine Form der Achtsamkeit und ein großes Geschenk! Dank dafür!

Roland Trentinaglia, Pfarrer in Hörbranz und Hohenweiler
Roland Trentinaglia, Pfarrer in Hörbranz und Hohenweiler