Zecken – so klein und so gefährlich

Vorarlberg / 09.08.2013 • 18:25 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Zecken können schwere Gesundheitsschäden hervorrufen. dpa
Zecken können schwere Gesundheitsschäden hervorrufen. dpa

FSME-Infektionen und Borreliose-Bakterien: Zwei Schrecken eines Sommers.

Schwarzach. (VN-hk) Die Zecken sind um. Sie können harmlos sein, aber auch das Gegenteil. Sie können die sehr gefährliche Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen so wie die Borreliose. Während FSME, auch als Hirnhautentzündung bekannt, ein tödliches Risiko in sich birgt, ist Borreliose eine Infektionserkrankung, die zu chronischen Nachwirkungen für die Haut, die Gelenke, das Nervensystem und auch das Herz führen kann.

Schutz möglich

FSME kann zwar tödlich ausgehen, aber ein Schutz davor ist möglich. Und zwar durch eine Impfung. Bei Borreliose ist das nicht möglich. Sie wird durch Bakterien ausgelöst, gegen die es keine Impfung gibt. Nicht ganz belegt ist bei der Borreliose auch, wie oft sie nicht durch Zecken übertragen wird, sondern auch durch die Bremse, oder die Gemeine Stechmücke. „In der Literatur finden sich keine Hinweise auf die Bremse als Überträger der Krankheit“, hält Neurologe Dieter Langenscheidt (51) fest. Dennoch ist genau das auch schon in Vorarlberg vorgekommen. Zum Beispiel im Jahr 2009, als eine damals 77-jährige Frau durch einen Rossbremsen-Stich an Borreliose-Symptomen litt.

Borrelien im Magen

„Es sind Fälle von Borreliose-Übertragung durch Bremsen dokumentiert“, sagt inatura-Biologe Klaus Zimmermann. „Allerdings“, so Zimmermann weiter, „gibt es dazu keine wissenschaftlichen Beschreibungen. Klar ist: Eine andere Übertragung als durch Zecken ist sehr ungewöhnlich.“ Das hat laut Zimmermann seinen Grund. „Borrelien befinden sich nicht wie FSME-Viren im Speichel von Zecken und werden daher auch nicht schnell übertragen. Borrelien befinden sich im Magen-Darm-Trakt des potenziellen Überträgers. Das heißt: Ein Zeck muss sich sehr lange auf der menschlichen Haut befinden, ehe er vollgesogen Darmflüssigkeit freigibt, die dann in den Blutkreislauf gelangt. „Bremsen und Mücken stechen und sind wieder weg. Die halten sich nicht lange auf der menschlichen Haut auf.“

Viele haben FSME

Wer sich vor womöglich tragischen Folgen einer Begegnung mit Zecken schützen will, dem kann nicht nur eine FSME-Impfung helfen. „Gegen Borreliose ist ein Schutz dadurch möglich, dass man sich nach dem Aufenthalt in einem potenziellen Zeckengebiet entsprechend reinigt und sich auf Zecken abklopft“, rät Klaus Zimmermann. Das sollten vor allem Eltern bei ihren Kindern tun. Je schneller das geschieht, desto besser.

„Zeckengebiete lassen sich nicht begrenzen“, warnt Neurologe Dieter Langenscheidt davor, die nicht auf der Zeckenlandkarte befindlichen Gebiete als gesichert zeckenfrei zu betrachten. „Zecken können sich überall hin verirren.“

Laut offiziellen Angaben hat sich die Zeckenopferbilanz in den letzten zwei Wochen glücklicherweise nicht verändert. Zwei Personen zogen sich nach Zeckenbissen eine FSME-Erkrankung zu. „Wobei sich sehr viele Menschen FSME einfangen, ohne dass sie es wissen. Nur werden diese nicht wirklich krank, weil die körpereigenen Abwehrkräfte den Virus besiegen“, erklärt Neurologe Langenscheidt.

Stichwort

Borreliose. Die Borreliose ist eine bakterielle Infektion. Die Übertragung erfolgt vor allem durch Zecken, selten durch Stechmücken oder Pferdebremsen. Als klinische Frühform leicht erkennbar ist die sogenannte Wanderröte. Die Rötung kann ohne Behandlung verschwinden, die Infektion jedoch weiter voranschreiten. Es kann zu Muskel- und Gelenksentzündungen kommen, am Herzen können EKG-Veränderungen, am Auge eine Bindehautentzündung beobachtet werden. Wird die Borreliose in den Frühstadien nicht erkannt, können sich als Spätfolgen chronische Erkrankungen der Haut, der Gelenke, des Nervensystems und hin und wieder auch des Herzens entwickeln.

FSME. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird von Zecken übertragen. Sie ist eine Viruserkrankung, die zur Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute und des Zentralnervensystems führt. Die Symptome der FSME können einer Grippe ähnlich sein wie z. B. Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit. Die Erkrankung kann aber auch zu bleibenden Dauerschäden wie Lähmungen oder lang andauernder Rekonvaleszenz führen oder sogar tödlich enden. Auch bei einem leichteren Krankheitsverlauf kann es zu einer Persönlichkeitsveränderung kommen. Gegen die ausgebrochene Erkrankung gibt es keine spezifische Heilbehandlung. Es können nur die Symptome so gut wie möglich gemildert werden. Der einzig wirksame Schutz gegen die Erkrankung ist die FSME-Impfung.