Schlag gegen Rechtskatholiken

11.08.2013 • 19:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gegen „gloria.tv“ ging in Feldkirch erst kürzlich eine Anzeige ein. Foto: Screenshot
Gegen „gloria.tv“ ging in Feldkirch erst kürzlich eine Anzeige ein. Foto: Screenshot

Staatsanwaltschaft Feldkirch ordnete Hausdurchsuchungen bei Priestern an.

Feldkirch, Wien. (VN-tm) Im Zuge der Ermittlungen gegen die extremistischen Internet-Portale „kreuz.net“ und „gloria.tv“ haben, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits Ende Juli Hausdurchsuchungen in Wien und Oberösterreich stattgefunden. Durchsucht wurden die Wohnungen zweier Priester. „Angeordnet haben die Hausdurchsuchungen wir“, bestätigte der Leiter der Staatsanwaltschaft in Feldkirch, Wilfried Siegele, den VN.

Konkret geht es um den Verdacht der Wiederbetätigung, weshalb auch das Bundesamt für Verfassungsschutz eingeschaltet war. „Weil der Tatort in Wien liegt, haben wir inzwischen den Fall an die Staatsanwaltschaft Wien abgetreten“, sagt Siegele. In der Bundeshauptstadt hüllt man sich in Schweigen. Erst werden die beschlagnahmte Hard- und Software ausgewertet.

Auch Berlin ermittelt

Das extremistische Internetportal „kreuz.net“ wurde in Feldkirch „schon vor drei Jahren einmal angezeigt“. Das Sprachrohr einer rechts-außen angesiedelten Usergemeinde verbreitete immer wieder scharfe Polemik unter anderem gegen Homosexuelle, Protestanten, katholische Theologen und Bischöfe und veröffentlichte auch zahlreiche antisemitische Äußerungen. Im Dezember 2012 hat „kreuz.net“ seinen Betrieb nach starkem öffentlichem Druck eingestellt. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat Ermittlungen eingeleitet, seitdem arbeiten Behörden im deutschsprachigen Raum eng in der Sache zusammen. Unter dem Namen „kreuz-net.info“ tritt inzwischen eine Nachfolge-Website im Internet auf den Plan.

Zuerst in Chur zu Hause

Das Internetportal „gloria.tv“ wiederum mit offiziellem Sitz in Moldawien war lange im Bistum Chur beheimatet. Aus dem Bündner Bergdorf Sedrun sandten der Priester Reto Nay und seine Helfer ihre teilweise aggressiven Botschaften ins Web.

Bischof Vitus Huonder ließ anfänglich durchaus Sympathien erkennen. Als „gloria.tv“ aber im Zusammenhang mit der Debatte um die „Pille danach“ sechs deutsche Bischöfe mit Hakenkreuzen dargestellt hatte, ging auch der Churer Bischof auf Distanz. Das reaktionär-katholische Portal verlegte seine Zentrale im Frühjahr nach Wien. Dort kam das Team in der Großen Sperlgasse 33 unter, wo auch die Abtreibungsgegner von Human Life International zu Hause sind.

Bei der Hausdurchsuchung in Wien soll es zu tumultartigen Szenen gekommen sein: Die Schwester eines Geistlichen habe versucht, Daten auf dem Computer ihres Bruders zu löschen und die Beamten daran zu hindern, den PC mitzunehmen. Ein Polizist soll dabei verletzt worden sein. Ein Kamerateam des Senders „Spiegel TV“ hat im März 2013 bereits ähnliche Erfahrungen gemacht und ist im Bündnerland von Anhängern attackiert worden.

Die beiden Priester, gegen die ermittelt wird, gehören zu keiner österreichischen Diözese. Die Staatsanwaltschaft Vorarlberg wurde tätig, weil beide Anzeigen hier eingebracht wurden und der „Tatort“ vorerst unklar schien.

Wir haben die Hausdurchsuchung in Wien angeordnet.

Wilfried Siegele, Staatsanwalt