Countdown für Schiefergassuche

Vorarlberg / 12.08.2013 • 18:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Noch werden die Hebel nicht umgelegt. Aber die Sucherlaubnis ist der erste Schritt zum Fracking. Foto: Reuters
Noch werden die Hebel nicht umgelegt. Aber die Sucherlaubnis ist der erste Schritt zum Fracking. Foto: Reuters

Sechs Wochen haben deutsche Gemeinden Zeit, Frackingpläne am See zu beeinspruchen.

Schwarzach. (VN-tm) Noch sechs Wochen, dann wird das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg zwei Konzessionen zur Erkundung von Erdgasvorkommen im Bodenseegebiet verlängern. Das britische Unternehmen Parkyn Energy Germany vermutet auf einem 2600 Quadratkilometer großen Gebiet zwischen Konstanz und Biberach Schiefergas, das mittels „Fracking“ gefördert werden soll.

Fracking bedeutet einen harten Eingriff in die Natur: Um das im Gestein verborgene Gas zu fördern, werden Millionen Liter Chemiebrühe in den tiefen Untergrund gepresst. Am Bodensee erhob sich der Protest über das vergangene Jahr hinweg auch deshalb so laut, weil 320 Kommunen ihr Trinkwasser aus dem See beziehen. Beide Konzessionsgebiete und das Trinkwassereinzugsgebiet überschneiden einander weitläufig. Und doch gibt die Behörde für zwei weitere Jahre grünes Licht für die Suche nach Schiefergas?

„Blöde Optik“

„Jein“, sagt Ralf Heineken. Er spricht für Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller. „Da ist einiges drunter und drüber gegangen“, sagt er und bedauert die „blöde Optik“. Denn da seien sich Umweltverbände und Regierung in Stuttgart einig: „Wir wollen kein Fracking am See.“ Nur schenke die Rechtslage keine Handhabe, die Konzessionsverlängerungen willkürlich zu verweigern. Es sei denn, die Kommunen legten sich ins Zeug. Sie wurden am 23. Juli davon in Kenntnis gesetzt, dass Parkyn Energy voraussichtlich Ende September auf dem Konstanzer Feld (1500 Quadratkilometer) und auf dem Biberacher Feld (1100 Quadratkilometer) weiter suchen darf. Die Gemeinden können bis Ende September Stellungnahmen abgeben. Wenn es ihnen bis dahin gelingt, den Rechtsanspruch der Briten zu erschüttern, könnten die Konzessionen doch noch fallen. Wie geht so etwas? „Das Bergrecht“, erklärt Heineken, „verlangt von einem Konzessionsinhaber, dass er einen bestimmten Zug in der Sache hält.“ Sprich: auch wirklich tätig ist und die Konzession nicht nur zum Leidwesen der Konkurrenz besetzt hält. Wenn also die Arbeitspläne von Parkyn Energy hinterfragt würden und keine ernst zu nehmenden Aktivitäten erkennen ließen, würde das die Konzessionsverfahren zum Beispiel stoppen.

Aber es ist August. Ferienzeit. Bislang hat nur eine Handvoll Gemeinden reagiert. Träge haben sie auf ihre Resolutionen verwiesen, in denen sich alle ausnahmslos gegen Fracking aussprechen. Aber nur dagegen sein, reicht längst nicht mehr.