Maria Schmid: Neue Wege im Schulunterricht

Vorarlberg / 12.08.2013 • 18:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Johann Heinrich Pestalozzi: Vorreiter einer ganzheitlichen Schulbildung und Erziehung. Foto: Archiv
Johann Heinrich Pestalozzi: Vorreiter einer ganzheitlichen Schulbildung und Erziehung. Foto: Archiv

Als Mitarbeiterin von Heinrich Pestalozzi gehört Maria Schmid zu den Pionieren der Reformpädagogik.

dornbirn. (gt) An Kinder, Jubel und Trubel ist Maria Schmid schon früh gewöhnt: Sie hat fünf Brüder und fünf Schwestern. Als achtes Kind wird Maria 1794 in Au in ärmlichen Verhältnissen im Bregenzerwald geboren. Ihr Vater ist Handwerker und Kleinbauer. Die junge Frau schlägt jedoch einen anderen Weg ein: Sie wird Lehrerin. Pädagogische Akademien oder Lehrerbildungsanstalten gab es noch nicht. Die Ausbildung ist kurz, die Bezahlung schlecht. Damals war es auch üblich, dass Lehrerinnen nicht heiraten durften. Maria Schmid unterrichtet zunächst in Dornbirn, ehe sie eine Anstellung an der Hauptschule in Bregenz erhält.

Die Aufmerksamkeit des berühmten Reformpädagogen Johann Heinrich Pestalozzi hat Maria Schmid ihrem Bruder Josef, der bereits in der Schweiz lebte und als Lehrer enge Kontakte zu Pestalozzi pflegt, zu verdanken. Auf Drängen ihres Bruders bricht Maria ihre Zelte in Vorarlberg ab und wird probeweise Erzieherin an der Pestalozzischen Armenanstalt in Iferten in der Schweiz. Im Oktober 1818 bittet die 24-jährige Lehrerin schließlich das zuständige Kreisamt in Bregenz um ihre Entlassung, da sie bei Pestalozzi bleiben wolle. Ihr Ansuchen wird rasch bewilligt: Man wolle sie nicht daran hindern, sich im Lehrberuf weiterzubilden, hieß es.

Wie beliebt Maria Schmid in Bregenz war, geht aus Briefen hervor, welche ihre Schüler ihr nach Iferten schickten. Darin baten sie ihre ehemalige Lehrerin, sie möge doch wieder zurück nach Bregenz kommen. Pestalozzi selbst versuchte die Kinder zu trösten: Maria könne bei ihm vor allem den ärmeren Kindern nützlich sein und sie leite jetzt eine Armenanstalt in Cliny, wo Buben und Mädchen zu Lehrkräften ausgebildet würden, und „diese Kinder lieben sie, wie ihr sie liebtet und hängen an ihr, wie ihr an ihr gehängt habt“.

„Wichtiger Beruf“

Pestalozzi schätzte seine neue Lehrkraft aus Vorarlberg sehr, lobte ihre Disziplin, Fähigkeiten und den Eifer, sich in dem „wichtigen Beruf“ als Lehrerin und Erzieherin weiterzubilden. Pestalozzis Pädagogik baute vor allem auf drei Säulen auf: seelisch-religiöse Erziehung („Herz“), geistige Erziehung („Kopf“) und handwerkliche Fähigkeiten („Hand“). Diese drei Aspekte sollten harmonisch zusammenwirken und die Persönlichkeit formen. Das klappte nicht immer, öfters gab es herbe Rückschläge.

Maria Schmid blieb dem Werk Pestalozzis bis zu dessen Tod 1827 treu. Sechs Jahre danach heiratete die mittlerweile 39-Jährige den gleichaltrigen Johann Raidel und übersiedelte nach Rankweil-Brederis, wo sie das Wirtshaus „Zum Batzenhäuschen“ führte. Als ehemalige Leiterin von Armenhäusern bot Maria Schmid auch „zwielichtigen Gestalten“ Unterkunft, was ihr unter anderem vom Ortspfarrer – „böse Gesellschaft verdirbt gute Sitten“ – übel genommen wurde. Andererseits fand sie höchste Anerkennung, etwa von Kreishauptmann Ebner, der sie in einer Tagebuchnotiz im Mai 1836 nach einer persönlichen Begegnung lobend erwähnte. Maria Schmid ist am 14. Jänner 1864 im Alter von 69 Jahren in Rankweil-Brederis gestorben.