Hoffnung auf „Nazi-Gold“ sinkt

Vorarlberg / 13.08.2013 • 20:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Soll zum Schauplatz für die Suche nach „Nazi-Gold“ werden: der aufgrund von Instandsetzungsarbeiten zu zwei Dritteln abgelassene Lünersee oberhalb von Brand. Foto: viw
Soll zum Schauplatz für die Suche nach „Nazi-Gold“ werden: der aufgrund von Instandsetzungsarbeiten zu zwei Dritteln abgelassene Lünersee oberhalb von Brand. Foto: viw

Chance von US-Schatzsuchern, Nazi-Schatz am Lünersee zu finden, laut Historiker gering.

Brand. (VN) Ende August oder Anfang September wird am Lünersee ein Team von Schatzsuchern mit dem US-Amerikaner Norman Scott (83) an der Spitze erwartet. Scott, der unter Seinesgleichen als „Schatzsucher-Legende“ gilt, will sich dort auf die Suche nach „Dachau-Gold“ machen (Die VN berichteten).

Illwerke gaben grünes Licht

Den Schatz mit Gold aus dem Konzentrationslager Dachau sollen Nazi-Schergen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs im Spätfrühling 1945 im Bereich des Lünersees vergraben haben. Ein zum Tode verurteilter SS-Offizier soll das „Geheimnis“ einem österreichischen Mediziner anvertraut haben. Dieser wiederum soll das Ganze einem US-Geheimdienstmann erzählt haben, der darüber ein in den USA offenbar gut verkauftes Buch geschrieben hat. Scott geht davon aus, dass es sich um Gold im heutigen Wert von 15 Millionen Euro handelt und plant offenbar Grabarbeiten. Von den Illwerken als Grundbesitzer hat Scott dafür bereits grünes Licht bekommen. Dies bestätigte Christof Burtscher von der Abteilung Kommunikation der Illwerke VKW). Was den ehrgeizigen Schatzsuchern allerdings immer noch fehlt, ist das Einverständnis des Bundesdenkmalamts (BDA). Dessen Archäologen müssen nämlich gemäß herrschender Gesetzeslage derartige Grabungen begleiten.

Denkmalamt ohne Ansuchen

„Bei uns ist bislang noch kein Ansuchen eingegangen“, sagt dazu Johannes Pröll, Archäologe beim BDA. Seiner Meinung nach, so schätzt Pröll, würden die Schatzsucher „am Lünersee ohnehin vergeblich nach einem Schatz suchen“. Und sollten Scott & Co. dennoch Funde machen, so gelte die Regel „jeweils 50 Prozent dem Grundeigentümer und dem Finder“. Falls es sich jedoch um „Nazi-Gold“ handle, trete diese Regel außer Kraft. „Dann wird es komplizierter, es muss nach Eigentümern oder Nachkommen gesucht werden.“

Bestenfalls Waffen versteckt?

Unterdessen hegen Historiker Zweifel an der abenteuerlichen Geschichte. Zu ihnen zählt auch Michael Kasper, gelernter Historiker und Direktor der Montafoner Museen. „Es würde mich sehr wundern, wenn dort ein Schatz vergraben wäre“, meint Kasper im Gespräch mit den VN. „Es gibt jedenfalls keinen einzigen schriftlichen Hinweis oder Vermerk, der ein Indiz für Gold der Nationalsozialisten im Lünersee zulassen würde.“ Zwar hätten sich nach ihm bekannten Schätzungen „mehrere Hundert Personen von SS-Einheiten oder der Gestapo auf ihrer Flucht über Montafoner Pässe in die Schweiz abgesetzt“. Dass sich darunter allerdings „Nazi-Schergen oder Nazi-Bonzen mit Gold aus Dachau“ befunden haben könnten, hält Kasper „für höchst unwahrscheinlich“. Zumal es sich beim Gebiet Lünersee auch noch „um eine Sackgasse“ handle.

Vor diesem Hintergrund geht Kasper „nicht davon aus, dass bei Grabungen etwas Relevantes gefunden werden kann“. Die US-Schatzsucher könnten bei ihren angekündigten Grabungen bestenfalls „auf Waffen oder Dokumente stoßen“, schätzt der Historiker.

Es gibt historisch keinen einzigen Hinweis, der ein Indiz für einen Nazi-Schatz zulassen würde

Michael Kasper, Historiker