Schlüssel abgeben: Alter setzt hier keine Grenzen

Vorarlberg / 13.08.2013 • 18:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie lange man mobil ist, ist hierzulande jedem selbst überlassen – darüber scheiden sich die Geister.
Wie lange man mobil ist, ist hierzulande jedem selbst überlassen – darüber scheiden sich die Geister.

Ohne Gesundheitstests bis ins hohe Alter Auto fahren: Das ist fast nur in Österreich möglich.

Schwarzach. (VN-sas) Mobilität bedeutet Unabhängigkeit, auch bzw. in manchen Fällen vor allem im Alter. Dennoch: Analysen von Unfallstatistiken der letzten Jahre verzeichnen eine Zunahme von Unfällen, an denen Personen über 60 beteiligt waren und sich dabei lebensgefährliche oder tödliche Verletzungen zugezogen haben. Aufgrund des demografischen Wandels werden künftig immer mehr Personen bis ins hohe Alter hinterm Steuer sitzen.

Hierzulande keine Kontrollen

Nun gibt es in vielen Ländern schon seit Jahren verpflichtende regelmäßige medizinische Kontrollen von Fahrzeuglenkern, die ihnen entweder grünes Licht für die weitere Verkehrstauglichkeit attestieren – oder eben den Führerschein abnehmen. Österreich und Deutschland sind diesbezüglich „absolute Ausnahmen“, wie Markus Gansterer vom Verkehrsclub Österreich (kurz VCÖ) weiß. Hierzulande gebe es keine derartigen Kontrollen. Wer den Führerschein hat, der ist auf Dauer mobil.

Die optimale Lösung, wie man beim ÖAMTC Vorarlberg findet: „Jeder Autofahrer, egal ob jung oder alt, sollte nur dann ein Fahrzeug lenken, wenn er sich geistig in der Lage fühlt“, sagt Pressesprecher Jürgen Wagner. So gehöre ein 30-jähriger Lenker mit einer starken Grippe ebenso wenig hinters Steuer wie ein dementer alter Mann. „Diesbezüglich setzen wir aber auf die absolute Eigenverantwortung der Lenker – in Notfall auch auf die Verantwortung der Familie bzw. des Hausarztes.“ Von ständigen Kontrollen halte man nichts. „Alte Menschen sind ja keine kranken Menschen“, begründet der Pressesprecher. „Wir sind davon überzeugt, dass ältere Autofahrer nachlassendes Können oder Überfordertsein mit der Erfahrung und der Verantwortung wettmachen“, so Wagner weiter. Im Umkehrschluss verhielte es sich bei Fahranfängern: Hier fehle es nicht selten an der Verantwortung.

Dennoch: Wagner appelliert an betagte Autofahrer, regelmäßig Seh- und Hörtests machen zu lassen: „Wenn ich die Zeitung nicht mehr lesen kann, bewältige ich auch Alltagssituationen nicht mehr. Aber dann sind wir im Bereich der Krankheit und nicht des Alters. Da muss man ganz klar unterscheiden.“

Ruf nach Gesundheits-Checks

VCÖ-Pressesprecher Markus Gansterer sieht die Thematik anders: „Wir sprechen uns dafür aus, dass sich jeder motorisierte Verkehrsteilnehmer regelmäßigen GesundheitsChecks unterziehen sollte – unabhängig vom Alter“, sagt er unmissverständlich. „In jüngeren Jahren könnten diese in größeren Abständen geschehen, ab einem Alter von 60 Jahren sollte man die Frequenz steigern.“ Vorbildlich ginge man hier in Italien vor: Dort gibt es alle zehn Jahre einen amtsärztlichen Fahrtüchtigkeitstest, „ab dem 51. Lebensjahr alle fünf und ab 65 alle zwei Jahre“, weiß der Verkehrsexperte. Eine solche Regelung wäre auch für Österreich wünschenswert, so Gansterer. „Ab 70 Jahren steigt laut Statistik die Zahl der selbst verursachten Unfälle markant an. Hierzulande wird die Entscheidungsgewalt über das Behalten oder Abgeben des Führerscheins aber gänzlich auf die Familie oder die betroffene Person selbst abgewälzt“, kritisiert der Pressesprecher. „Hier bräuchte es ganz klar eine offizielle Stelle.“

Jeder Verkehrsteilnehmer sollte sich Gesundheitstests unterziehen – unabhängig vom Alter.

Markus Gansterer, VCÖ