Riefensberger Bürger retten ihr „Wirtshus“

Vorarlberg / 14.08.2013 • 18:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Kernteam-Mitglieder Walter Maurer (l.) und Richard Bilgeri vor dem künftigen Genossenschaftsgasthaus. Foto: VN/KH

Die Kernteam-Mitglieder Walter Maurer (l.) und Richard Bilgeri vor dem künftigen Genossenschaftsgasthaus. Foto: VN/KH

Ein Dorf wird Wirt: 120 Mitglieder zählt die Genossenschaft – Eröffnung heuer geplant.

Riefensberg. (VN-ger) 300.000 Euro in knapp zwei Monaten: „Ich habe den Riefensbergern viel zugetraut, aber dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht“, zeigt sich Urs Schwarz vom Gemeinde- und Regionalservice der Raiffeisenlandesbank Vorarlberg schwer beeindruckt. Zumal man bei vergleichbaren Projekten im süddeutschen Raum bis zu zwei Jahre gebraucht hätte, um das Geld für den Kauf zusammenzubringen. Im Bregenzerwald ging das deutlich schneller. „Man sieht, dass der Leidensdruck in der Bevölkerung und bei den Betrieben groß ist und was es für einen Ort bedeutet, wenn ein Gasthaus fehlt“, führt Schwarz aus.

Denn auch vor Riefensberg hat das viel zitierte Gasthaussterben nicht Halt gemacht. In den vergangenen Jahren wurden die Einkehrmöglichkeiten stetig weniger. Zuletzt musste das Café Grabherr im Ortszentrum wegen eines Todesfalls seine Pforten schließen. Einige Bürger wollten diese Entwicklung nicht einfach so hinnehmen. Gemeinsam mit der Raiffeisenbank zerbrach sich die Gruppe den Kopf darüber, wie das wichtige Stück Dorfkultur in der knapp 1000 Einwohner zählenden Gemeinde bewahrt werden kann.

Im Juni konnte das Kernteam rund um Richard Bilgeri, Anton Bereuter und Walter Maurer das Projekt schließlich der Dorfbevölkerung präsentieren: Das Café Grabherr sollte gemeinschaftlich angekauft und selbstorganisiert betrieben werden.

Jugend mit im Boot

Zwischenzeitlich haben rund 120 Riefensberger ihre Absichtserklärung abgegeben und sich verpflichtet, einen oder mehrere Anteile zu je 1000 Euro an der Genossenschaft zu erwerben. Das macht in Summe rund 300.000 Euro, mit denen „üser Wirtshus“ fix angekauft werden kann.

„Gerade für die jungen Leute im Ort gibt es keinen geeigneten Treffpunkt mehr, somit schwindet die Bindung zum Heimatort“, hatten die Initiatoren im Vorfeld betont. Umso erfreulicher ist es für Richard Bilgeri, dass die 25- bis 35-Jährigen kräftig Anteile gezeichnet haben: „Das ist super. Die Jugendlichen holen wir beim Umbau mit ins Boot. Der Einsatz wird ihnen nicht in bar, sondern als Teil eines Anteils ausbezahlt“, erläutert er.

Die Gründung der Genossenschaft sowie die Umbauarbeiten im Gastraum und in der Küche sind bereits in Vorbereitung. Unter Hochdruck wird auch am Konzept für die Gastronomie gearbeitet – Öffnungszeiten, Speise- und Getränkeangebot und Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen im ländlichen Raum stehen dabei ebenso auf der Agenda wie die Suche nach einem Geschäftsführer. Ziel ist es, dass Letzterer im Vorstand der Genossenschaft sitzt und dadurch schneller auf das Feedback aus der Bevölkerung und seitens der Mitglieder reagieren kann. Läuft alles nach Plan, dann sollte einer Eröffnung in diesem Jahr nichts im Wege stehen.

Das Riefensberger Projekt könnte in Vorarlberg übrigens Schule machen. „Wir haben schon Anfragen aus anderen Gemeinden bekommen, die dasselbe Problem haben“, berichtet Schwarz.

Die Jugendlichen holen wir beim Umbau mit ins Boot.

Richard Bilgeri