Trotz hoher Ärztedichte weniger Behandlungen

Vorarlberg / 14.08.2013 • 18:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein neues Honorarsystem, das derzeit ausverhandelt wird, soll zu mehr Patientenbehandlungen führen. Foto: vn
Ein neues Honorarsystem, das derzeit ausverhandelt wird, soll zu mehr Patientenbehandlungen führen. Foto: vn

Klagen über lange Wartezeiten. AK fordert mehr Anreiz durch Honorarsystem.

Feldkirch. (VN-mm) Die niedergelassenen Fachärzte in Vorarlberg behandeln zum Teil deutlich weniger Patienten als ihre Kollegen in anderen Bundesländern. Das geht aus aktuellen Daten des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger hervor. Als Folge davon heißt es oft ein halbes Jahr und länger auf einen Behandlungstermin warten. Dies trifft besonders auf Augen- und Hautärzte sowie Orthopäden zu. Auch Mitglieder der Arbeiterkammer reklamieren laut deren Präsidenten, Hubert Hämmerle, immer wieder lange Wartezeiten und sogar Aufnahmestopps.

Großes Unverständnis

Er sieht das Übel vorrangig im stark degressiv angelegten Punktesystem begründet, das zu wenig Anreiz für die Behandlung von mehr Patienten darstelle. „Wir unterstützen deshalb Ärztekammer und Gebietskrankenkasse im Versuch, die Honorarordnung umfassend zu reformieren“, so Hämmerle. Nur dann kann seiner Ansicht nach die ärztliche Versorgung sichergestellt und die Patientenzufriedenheit verbessert werden.

Die vorhandenen Engpässe in einigen medizinischen Fachgruppen des niedergelassenen Sektors erfüllen den „Interessensvertreter der Vorarlberger ASVG-Versicherten“ laut eigenem Bekunden mit großer Sorge. „Die Leute verstehen nicht, warum sie monatelang warten müssen, bis sie zu einem Termin kommen“, berichtet Hubert Hämmerle von zahlreichen diesbezüglichen Klagen. Und das, obwohl Vorarlberg im Vergleich zum übrigen Österreich eine sehr hohe Dichte an Fachärzten aufweist. Doch das vorhandene Abrechnungssystem fördere die Lust an Mehrarbeit kaum, zeigt der AK-Präsident durchaus Verständnis für die Ärzteschaft. Derzeit laufen die Verhandlungen für eine neue Honorarordnung. Auf einen Abschluss wird bis Jahresende gehofft, soll sie doch spätestens am 1. Jänner 2014 in Kraft treten.

Neue Praxisformen

Was Hubert Hämmerle von einer Neuregelung erwartet: „Sie muss mehr Leistungsanreize schaffen. Nur das kann angesichts der begrenzten Zahl an verfügbaren Fachärzten zu einer Steigerung der Behandlungszahlen führen.“ Zur Verbesserung der Patientenbetreuung sollten laut Hämmerle aber auch neue Praxisformen wie etwa Gruppenpraxen, Praxisgemeinschaften oder Job-Sharing-Modelle möglich sein. „Das würde sowohl den unterschiedlichen familiären bzw. beruflichen Anforderungen der Ärzte entgegenkommen, als auch den Patienten Vorteile durch längere Erreichbarkeiten und abgestimmte Öffnungszeiten bringen“, ist der AK-Präsident überzeugt. Deshalb ist der GKK die Unterstützung der AK-Vertreter in der Gebietskrankenkasse bei den Verhandlungen mit der Ärzteschaft sicher. Hämmerle: „Es gilt, einen dringend notwendigen Schritt zur Verbesserung der Versorgung der Versicherten im niedergelassenen Bereich zu setzen.“

Fakten

» Jahresleistung eines Augenarztes:
Österreich: 6116 Patientenfälle
Vorarlberg: 4094 Patientenfälle

» Jahresleistung eines Hautarztes:
Österreich: 6067 Patientenfälle
Vorarlberg: 4299 Patientenfälle

» Jahresleistung eines Orthopäden:
Österreich: 4235 Patientenfälle
Vorarlberg: 2565 Patientenfälle