Frieden

Vorarlberg / 16.08.2013 • 18:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Foto: fotolia
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„Vor Schrecken, Angst und Feuersnot, behüt uns heut, o lieber Gott!“, so schrieb Nikolaus Herman im Jahre 1560. Es ist eigentlich unfasslich, dass heute die ganze Welt vernichtet werden könnte. Zweihundert, dreihundert, vielleicht auch nur zwei oder drei unserer Mitmenschen sind heute „imstande“, die
6 Milliarden der Übrigen durch Raketenknopfdruck auszulöschen, den Planeten „Erde“ in einem apokalyptischen Feuer untergehen zu lassen.

Bei Jeremia 9, 20-21 heißt es: „Der Tod ist zu unseren Fenstern hereingestiegen und in unsere Häuser gekommen. Er würgt unsere Kinder auf den Gassen und die jungen Männer auf den Plätzen. So spricht der Herr: Die Leichen der Menschen sollen liegen wie Dung auf den Feldern und wie Garben hinter dem Schnitter, die niemand sammelt.“ Die Bibel hat eine furchtbare, jedoch zutreffende Vision: Wenn alles zu Ende ist, wird niemand mehr da sein, die Toten zu begraben. Zugleich aber: Die Bibel legt alles in Gottes Hand. Wir aber, ebenso Glaubende, fragen uns: Ist Gottes Hand nicht auch unsere, der Menschen Hand?

Ein ständiges Aufrüsten

Wir hören immer wieder von dieser Rüstungsmaschinerie, von diesem unablässig sich steigernden Aufrüsten der großen Mächte gegeneinander. Wir hören vom Risiko, dass die Menschen sich gegenseitig total auslöschen. Wir hören vom Ende allen Lebens, aller Welt. Ich möchte keine Weltuntergangsstimmung verbreiten. Jedoch sollten wir immer wieder wach­gerufen, aufgerüttelt werden. Zeitgenossen aller Epochen der Menschheitsgeschichte haben dies getan. Alle haben das gleiche Ziel:

Findet zum Frieden!

Niemals kann es „süß und verdienstvoll“ sein, fürs Vaterland zu sterben. Es kann nur das Aufbegehren geben gegen den Wahnsinn eines jeden Krieges. Es kann nur Polemik geben gegen Dresden, Auschwitz, Hiroshima oder Vietnam. Es kann nur fantasievolle Friedensarbeit geben, um den Menschen ihre Angst vor der „apocalypse now“ zu nehmen, ihr Friedensbewusstsein allenthalben zu stärken, sie zum Festhalten an einer christlichen Utopie zu bewegen. Es gibt nur eins, die Bibel sagt es unzweideutig: „Glückselig sind die Friedensstifter. Sie allein werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5,9)

Aufrufen, appellieren, handeln!

„Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz, ihre Vorstellungsgabe für künftige Leiden fast noch geringer“ (Bert Brecht). Das muss uns aufhorchen, immer wieder kritisch werden lassen. Das muss uns anspornen. Keine Generation vor uns war so auf ein gemeinsames Handeln aller Menschen für den Frieden angewiesen. Wir sollten aufrufen, appellieren, handeln. Gott sei Dank, dass es schon fast selbstverständlich ist, dass alle Religionen für den Frieden und gegen den Krieg „kämpfen“. Ein aufrüttelnder Text von Ernest Hemingway: „Während das Bombardement den Schützengraben in Stücke fetzte, lag er sehr flach und schwitzte und betete: „Ach, lieber Herr Jesus, hilf mir raus, Christus, bitte, bitte, bitte, Christus, wenn du mich vorm Tod bewahrst, werde ich alles tun, was du verlangst. Ich glaube an dich, und ich werde allen Leuten in der ganzen Welt sagen, dass du das Einzige bist, worauf es ankommt. Bitte, bitte, lieber Herr Jesus!“ Das Granatfeuer zog weiter hinauf. Wir begannen in unserem Graben zu arbeiten, und am Morgen ging die Sonne auf, und der Tag war heiß und schwül und erfreulich ruhig. Am nächsten Abend hinten in Mestre erzählte er dem Mädchen, mit dem er in die Villa Rossa hinaufging, nichts von Jesus. Und er erzählte überhaupt keinem davon.“

Dr. Herbert Spieler, Dekan, Frastanz