Rheticus: Verfechter eines neuen Weltbilds

Vorarlberg / 16.08.2013 • 18:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Rheticus: der bedeutendste Forscher aus Vorarlberg. Foto: Archiv
Rheticus: der bedeutendste Forscher aus Vorarlberg. Foto: Archiv

Rheticus brachte Kopernikus dazu, dessen astronomisches Hauptwerk zu veröffentlichen.

dornbirn. (gt) Georg Joachim Rheticus gehört zu den größten Wissenschaftlern, die Vorarlberg hervorgebracht hat, und erlangte als Astronom und Mathematiker weltweite Bedeutung.

Als Sohn italienischer Zuwanderer wird Rheticus 1514 in Feldkirch geboren. Sein Vater, Georg Iserin, ist Stadtarzt in der Montfortstadt, seine Mutter, Thomasina de Porris, stammt aus lombardischem Adel. Seine Kindheit und Jugend, die er teils in Norditalien verbringt, verläuft turbulent und leidvoll. Rheticus ist 14 Jahre alt, als sein Vater wegen Zauberei enthauptet wird. Der Halbwaise nimmt den Namen seiner Mutter an, als väterliches Erbe bleibt ihm sein unbändiger Drang nach Bildung und Wissen.

Zur Schule nach Zürich

1528 findet er Aufnahme in der Frauenmünsterschule in Zürich. Dort begegnet der junge Mann dem später berühmt gewordenen Naturforscher Konrad Gessner. Tiefe Spuren hinterlassen auch Gespräche mit dem legendären Arzt und Naturheilkundler Paracelsus im Jahr 1532. Seine Studien schließt der junge Feldkircher in Wittenberg ab und wird mit 22 Jahren Professor für Astronomie. Inzwischen nennt er sich in Anlehnung an seine Heimatstadt Feldkirch Georg Joachim „Rheticus“.

Kopernikus

Die Beschäftigung mit der Arbeit von Nikolaus Kopernikus ist für den jungen Astronomen ein erschütterndes Fanal, stellt diese doch das seit der Antike propagierte Weltbild auf den Kopf: Nicht die Sonne dreht sich um die Erde, sondern umgekehrt. Nicht die Erde, sondern die Sonne steht im Mittelpunkt unseres Universums.

Zwar hatte dies schon der griechische Astronom und Philosoph Aristarch 300 vor Christi Geburt behauptet, aber nun legt der Wissenschaftler aus der polnischen Stadt Thorn exakte Berechnungen vor, die diese Behauptungen untermauern. Intensiv diskutiert und kontrolliert Rheticus die bahnbrechenden Erkenntnisse mit Freunden. Aber mit Bestürzung sehen sie, dass Kopernikus aus Angst vor dem wissenschaftlichen und kirchlichen Establishment sein schon vor Jahrzehnten entdecktes Wissen nicht veröffentlichen will.

In dieser Situation beschließen die Freunde, Rheticus zu aktivieren. Er soll Kopernikus überreden, sein Werk endlich zu publizieren. Von 1539 bis 1541 verweilt Rheticus bei der Koryphäe, arbeitet mit Kopernikus und „bearbeitet“ ihn. Mit Erfolg. 1543, kurz vor dem Tod Kopernikus, erscheint „De Revolutionibus Orbium Coelestium“ („Über die Bewegungen der himmlischen Kreise“). Der mathematisch „letzte Schliff“ des Werkes kommt von Rheticus.

Überhaupt gilt Georg Joachim Rheticus als bedeutendster Mathematiker seiner Zeit, etwa im Bereich der Trigonometrie. Rheticus starb 1574 in Kaschau in der heutigen Slowakei. Die Fachwelt setzte ihm zwei Denkmäler: 1935 wurde ein Mondkrater auf den Namen „Rhaeticus“ getauft, im Jahr 2001 wurde ein Asteroid nach dem Gelehrten aus Feldkirch benannt.