Koordinatoren für Pflegeheime

Vorarlberg / 18.08.2013 • 19:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gebhard Mathis will palliative Situation in Heimen verbessern. Foto: vn

Gebhard Mathis will palliative Situation in Heimen verbessern. Foto: vn

Ärzte mit speziellen Aufgaben sollen für eine bessere Kommunikation sorgen.

schwarzach. (VN-mm) Früher gab es einen ausgewiesenen Heimarzt. Inzwischen übernehmen meist die jeweiligen Hausärzte die medizinische Versorgung von Pflegeheimbewohnern. Für den Palliativmediziner und aktuellen Russ-Preis-Träger Dr. Gebhard Mathis ist das eine wenig zufriedenstellende Situation. „Weil die Kommunikation mit dem Pflegepersonal oft zu kurz kommt“, wie er meint.

Strukturierter Austausch

Aus diesem Grund arbeitet Mathis seit Längerem an einem Projekt zur Implementierung eines sogenannten „Ärztlichen Koordinators“. Er soll in erster Linie für einen strukturierten Austausch sorgen und auf diese Weise dazu beitragen, die Pflege zu verbessern. Nun hat Soziallandesrätin Dr. Greti Schmid zugesagt, die Kosten für eine Pilotphase zu übernehmen. Sie belaufen sich nach derzeitigen Berechnungen auf rund 63.000 Euro. Gebhard Mathis ist zuversichtlich, für den Versuch wenigstens vier Pflegeheime gewinnen zu können.

Einer, der am vorliegenden Konzept mitgearbeitet hat, ist Dr. Siegfried Hartmann. Der Praktiker betreut im Haus „Klosterreben“ in Rankweil derzeit 20 bis 25 Bewohner. Das Interesse an Palliativ­medizin und Geriatrie bewog ihn, sich der Idee anzuschließen. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass verschiedene Ärzte in einem Heim auch für die Pflege einen großen Aufwand bedeuten. „Die ­verschiedenen medizinischen Ansichten und Herangehensweisen kollidieren oft mit der Heimphilosophie“, sagt Hartmann. Ein regel­mäßiger Austausch könnte das entschärfen. Doch es ­fehle an den notwendigen Struk­turen dafür. „Man werkelt von Woche zu Woche“, so der Obmann des Berufsverbandes der Allgemeinmediziner.

Probleme früher ansprechen

Auch für die Bewohner würden solche Gespräche eine Verbesserung bringen, ist Siegfried Hartmann überzeugt. Denn: „Mögliche Unzulänglichkeiten kämen dadurch frühzeitiger zur Sprache.“ Außerdem tue sich das Pflegepersonal zuweilen schwer, seine Erwartungen an die Ärzte auszusprechen. Ein Koordinator wäre diesbezüglich ebenfalls hilfreich, glaubt Hartmann. Den Aufwand selbst hält er für überschaubar. Pro Heim soll es einen Arzt als Koordinator geben. Der Zeitbedarf wird, zusätzlich zur üblichen Heimvisite, mit einer Stunde pro Woche veranschlagt. Das Tätigkeitsprofil eines „Ärztlichen Koordinators“ sieht unter anderem regelmäßige Gespräche mit der Pflegeleitung, der Stationspflege sowie mit den betreuenden Hausärzten vor. Dabei geht es jeweils um Situationsanalysen und Verbesserungsmöglichkeiten.

Zudem soll es einmal pro Jahr einen runden Tisch zum Thema „Palliative Care im Pflegeheim“ mit allen in Heimen tätigen Hausärzten geben. In diesem Rahmen soll eine kritische Analyse des Ist-Zustandes erfolgen und, falls erforderlich, sollen gemeinsam patientenzentrierte Verbesserungsvorschläge erarbeitet werden.

Stärkere Zusammenarbeit

Auch die Zusammenarbeit mit Fachärzten, insbesondere der Psychiatrie, steht im Konzept festgeschrieben. Weiters soll der „Ärztliche Koordinator“ als Vermittler bei Konflikten zwischen Pflege, Hausarzt, Patient und Angehörigen auftreten. Und er zeichnet für die Fortbildung der Pflegeheimmitarbeiter verantwortlich. Die konkrete Aufgabenstellung wird laut Dr. Gebhard Mathis mit den Pflegeleitungen bzw. Geschäftsführungen der einzelnen Projektheime im Laufe der Herbstmonate entwickelt.

Suche nach Interessenten

Er verhehlt allerdings nicht, dass es einigermaßen schwierig ist, „qualifizierte und kompetente“ Kollegen für diese zusätzliche Aufgabe zu gewinnen. Mit dem Heim der SeneCura in Bludenz, das Dr. Harald Schlocker betreut, sowie dem Haus „Klosterreben“ in Rankweil, in dem Dr. Siegfried Hartmann zugange ist, gibt es erst zwei Pflegeheime, die ansatzweise in den Plan passen. Andererseits gebe es schon einzelne Pflegeheimbetreiber, die vergleichbare Aufgaben von Hausärzten durchführen lassen. Deshalb gibt sich Mathis diesbezüglich optimistisch.

Gleichzeitig hält er eine „gute externe und wissenschaftlich haltbare“ Evaluierung des Projekts für unerlässlich bzw. unverzichtbar. Gebhard Mathis könnte sich vorstellen, dass eine solche durch die Fachhochschule Vorarlberg erfolgt.

Verschiedene Ärzte bedeuten für die Pflege großen Aufwand.

siegfried hartmann