Wirkliche Freunde

Vorarlberg / 18.08.2013 • 17:51 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Liederkränze hatten zum Thema „Freundschaft“ immer schon allerhand Lyrisches im Repertoire, das sich mit schweren Rotweinen an Timbre und Intensität nahezu beliebig steigern ließ. Auch wenn die Zeiten wenig freundlich schienen. Das Berliner Vokalensemble „Comedian Harmonists“ etwa setzte auf knackenden, knisternden Schellackplatten dem Freund, dem guten Freund noch rasch ein Denkmal, ehe der dazugehörige Film 1937 von der Film-Oberprüfstelle verboten wurde.

Es muss also was dran sein am Wert der Freundschaft, wenn sie so unverdrossen über die Jahrhunderte besungen wird. Nur sind echte Freunde ganz anders, als uns die romantisch verklärten Bilder glauben lassen. Leiser sind sie, unaufdringlich. Keine „Hoppla, jetzt komm ich“-Typen. Sie tun auch nix Besonderes. Ringen keine Drachen nieder und betonen auch nicht unentwegt jenes „Dick und Dünn“, durch das sie zu gehen bereit wären.

Wirkliche Freunde sind einfach nur da. Unspektakulär, aber unverrückbar. Reden wenig, aber packen zu, wo Not am Mann ist. Werden verlegen, wenn man „Danke“ sagt. Retten sich dann in einen holprigen Scherz und künstliches Lachen. Weil ihnen das nämlich unangenehm ist. Echte Freunde finden, dass sie gar nichts Besonderes tun. Dass das eh alles „völlig normal“ ist. So sind die. Sie schenken uns jenes Maß an Normalität, das wir dem Wahnsinn entgegenhalten, zu dem das Leben mitunter fähig ist. ##Thomas Matt##

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