Kloster Mehrerau zahlt auch an zweites Opfer

Vorarlberg / 19.08.2013 • 21:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom Jänner 2013.
VN-Bericht vom Jänner 2013.

Missbrauchsopfer (46) und Kloster haben Vergleich in unbekannter Höhe geschlossen.

bregenz. (VN-mef) Der Rechtsstreit ist beendet: Das Kloster Mehrerau und der ehemalige Zögling Bruno G. (Name geändert) einigten sich außergerichtlich. In einer gemeinsamen Aussendung betonten Abt Anselm von der Linde und der heute 46-jährige Kläger, „dass es gelungen ist, für beide Seiten eine gute Lösung zu finden“. Zur Höhe der Vergleichssumme wollten beide Parteien keine Angaben machen.

Bruno G. war 1982 vom damaligen Internatsleiter Pater Johannes B. mehrfach sexuell missbraucht worden. Kurz vor Ablauf der 30-jährigen Verjährungsfrist ging der Ex-Zögling vor Gericht und klagte auf Schmerzengeld und Verdienstentgang in der Höhe von 135.000 Euro.

Im Jänner 2013 stellte das Landesgericht Feldkirch schließlich fest, dass die Ansprüche nicht verjährt sind. Der Pater, der bereits 1968 wegen Unzucht an Minderjährigen rechtskräftig verurteilt worden war, sei als gewalttätig und gewaltbereit bekannt gewesen. Zudem habe die Klosterleitung von der pädophilen Neigung des Paters gewusst, als sie ihn 1981 zum Internatsleiter bestellten, hieß es im Zwischenurteil. Der Kläger erfuhr dies erst im Jahr 2012 aus den Medien.

Als das Ersturteil vorlag, wurde seitens des Klosters ein erstes Vergleichsangebot unterbreitet. Der Kläger machte einen Monat später ein Gegenangebot, welches abgelehnt wurde.

Berufung eingelegt

Trotz der laufenden Vergleichsgespräche legte das Kloster schließlich Berufung ein. Dabei handle es sich ledig­lich um einen formaljuristischen Schritt, erläutert Mehrerau-Krisenmanager Harald Schiffl damals gegenüber den VN. Sollten die Vergleichsgespräche scheitern, wolle sich das Kloster damit den weiteren Gerichtsweg offen halten. Die Berufung wurde im Mai vom Oberlandesgericht Innsbruck teilweise zurückgewiesen. Es wurde bestätigt, dass der gravierenste Vorfall vom März 1982 nicht verjährt war. Auch die Haftung der Mehrerau sei eindeutig bejaht worden, teilte Klagsvertreter Sanjay Doshi damals mit.

„Nachdem die Entscheidung des OLG vorlag, hat der Kläger der Mehrerau mitgeteilt, dass sein Angebot vom Februar – trotz der für ihn zwischenzeitlich deutlich verbesserten Ausgangslage weiterhin gelte“, berichtete Doshi gestern. Nach mehreren Gesprächen habe das Kloster dieses Angebot wieder aufgegriffen. „Letzte Woche kam es dann zur Einigung. Der Vergleichsbeitrag wurde bereits entrichtet.“ Damit sei auch dieser Rechtsstreit beendet.

Viele Gespräche geführt

„Abt Anselm hat schon sehr lange eine außergerichtliche Einigung angestrebt. Wir sind froh, dass wir eine gute Lösung gefunden haben“, teilte Krisenmanager Schiffl mit und betonte: „Die Abtei hat sich sofort nach Bekanntwerden von Missbrauchsfällen im Jahr 2010 um eine entsprechende Aufarbeitung bemüht. Wir waren auch das erste Kloster, das sofort an die Öffentlichkeit gegangen ist.“ Abt Anselm habe auch mit vielen Opfern, die nicht geklagt hatten, persönliche Gespräche führen können und sie ermutigt, sich an die unhabhängige Klasnic-Kommision zu wenden.

Geklagt wurde das Kloster wie berichtet auch von einem heute 58-jährigen Mann. Er war Ende der 1960er-Jahre mehrmals von Pater Johannes B. vergewaltigt worden und hatte Schmerzengeld und Verdienstentgang in Höhe von 200.000 Euro gefordert. Ende April hatte er sich außergerichtlich mit dem Kloster geeingt. Auch damals wurden keine Angaben zur Höhe des Vergleichs gemacht.