Tödlicher Unfall in Au: Haftstrafe für Alkolenker

Vorarlberg / 20.08.2013 • 21:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Gericht berücksichtigte schweres Mitverschulden des tödlich Verunglückten.

feldkirch. Im November vergangenen Jahres kam es um 2.30 Uhr in Au auf der L 200 zu einem schweren Unfall. Ein 23-jähriger Mann war gemeinsam mit seinem Bruder und einem Bekannten mit dem Auto unterwegs. Der junge Fahrer fuhr 72 km/h statt der maximal erlaubten 50. Außerdem hatte er einiges getrunken: 1,14 Promille ergab der Alkoholtest. „Ich wusste, dass ich noch fahren muss“, gibt der junge Mann ohne Ausflüchte zu.

An einer Kreuzung passiert dann der folgenschwere Unfall. Der junge Mann fährt seines Weges, als ihm plötzlich ein Pritschenwagenfahrer den Vorrang nimmt. Der 26-Jährige hätte warten müssen, bis der Pkw vorbei gefahren war, und hätte erst dann in die Vorrangstraße einfahren dürfen. „Es liegt hier sicher ein gravierendes Mitverschulden des Opfers vor“, räumt Richter Norbert Melter später in der Urteilsbegründung ein.

Zwei Drittel Mitverschulden

Das Strafgericht setzt das ­Mitverschulden des Unfallopfers sogar mit zwei Dritteln an. Dennoch – der junge Mann hat mit erheblicher Alkoholisierung und überhöhter Geschwindigkeit bei Dunkelheit „besonders gefährliche Verhältnisse“ zu verantworten. Bei dem Unfall wird der ­Pritschenwagenfahrer, der nicht angeschnallt war, aus seinem Fahrzeug geschleudert und so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle verstirbt. Die zwei ­Beifahrer des Alkolenkers und er selbst werden leicht verletzt.

Der junge Angeklagte zeigte sich gestern beim Prozess am Landesgericht Feldkirch von Anfang an geständig, weiß, dass er einen Fehler gemacht hat. Bei 50 km/h hätte das Opfer wesentlich bessere Überlebenschancen gehabt, gesteht die Verteidigung zu. Doch auch sie betont das Mitverschulden des Verstorbenen und argumentiert, dass wohl kaum jemand an der ­betreffenden Stelle die maximal erlaubten 50 km/h einhält.

An einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen und wegen fahrlässiger Körperverletzung führt kein Weg vorbei. Vier Monate werden unbedingt ausgesprochen, acht weitere Monate auf Bewährung.

Den Hinterbliebenen schuldet der Verurteilte rund 12.000 Euro Todfallskosten und Trauerschmerzengeld. Das Gericht wertet Geständnis, Unbescholtenheit und Mitverschulden des Opfers mildernd. Bei diesem Grad von Alkoholisierung, Tod und Verletzungen als Folgen musste ein Teil der Strafe unbedingt ausgesprochen werden. Das Urteil ist allerdings nicht rechtskräftig.

Es liegt hier sicher ein gravierendes Mitverschulden des Opfers vor.

richter norbert melter