Von wegen feine „Sahne-Schnitten“

Vorarlberg / 21.08.2013 • 18:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
edited by Zsolt

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21 Sahnetorten im AK-Test: Laborergebnis von zwei Produkten verheerend.

Feldkirch. (VN-sas) Was singt Udo Jürgens so gern? „Aber bitte mit Sahne!“ – genau. Kalorienreichen Leckerbissen hat sich nach dem Sänger nun auch die Vorarlberger Arbeiterkammer angenommen. 21 Sahnetorten aus Vorarlberger Betrieben wurden gemeinsam mit dem Umweltinstitut des Landes unter die Lupe genommen. Das Ergebnis war ernüchternd: Zwei der getesteten Kalorienbomben waren alles andere als feine „Sahne-Schnitten“, sondern „für den menschlichen Verzehr ungeeignet“ und somit ein klarer Fall für den Müll.

Konkret handelt es sich bei den im Test durchgerasselten Produkten um eine Schwarzwälder Kirschtorte der Bäckerei Fritz in Bludenz und um eine Malakoff-Torte vom Café „Cappuccino“ in Feldkirch. Beide Torten waren dermaßen mit Keimen belastet (mehr als 30.000 Enterobakterien pro Gramm Lebensmittel), dass sie gar nicht mehr hätten verkauft werden dürfen. Gerade noch ohne lebensmittelrechtliche Beanstandung davongekommen ist eine Kardinalschnitte der Konditorei Lorenz in Hohenems – sie wies 9000 Enterobakterien pro Gramm Lebensmittel auf. Diese in den Produkten gefundenen Bakterien (Fäkalkeime) sind ein wichtiger Hygiene-Indikator und ein Hinweis auf Mängel bei Produktion, Transport oder Lagerung.

Jeweils drei Test-Käufe

Die Probekäufe – in jedem Betrieb wurden je drei „Exemplare“ erworben – gingen im Juli über die Bühne. Die Betriebe wurden per Zufall ausgewählt. Vom Umweltinstitut wurden die Torten anschließend auf ihre Temperatur und ihren mikrobiologischen Zustand untersucht. Die Temperaturmessungen ergaben Werte zwischen minus 4,9 und plus 19,2 Grad Celsius (Bäckerei Fritz).

„Nicht sonderlich überrascht“ ob der Ergebnisse zeigt sich AK-Konsumentenberaterin Sandra Leichte auf VN-Anfrage. Die Befürchtungen, die bei der Temperaturkontrolle aufkamen, hätten sich im Labor bestätigt. „Aber eigentlich sollte man davon ausgehen können, dass auch bei Außentemperaturen von 35 Grad die Kühlung zu bewerkstelligen ist“, bemängelt sie.

Sehr überrascht zeigte sich hingegen der Sprecher der Vorarlberger Konditoren, Bernhard Fenkart: „Bei uns wird immer sehr auf Sauberkeit und die richtige Kühlung geachtet“, stellt er fest. „Und wenn ein Betrieb eine gute Anlage hat, ist das richtige Kühlen auch nicht schwierig“, fügt er hinzu. 8 bis 9 Grad Celsius herrschten in der Regel in den Verkaufsvitrinen von Konditoreien, im Lager 4 Grad Celsius. „Ich werde zu den zwei Betrieben das Gespräch suchen, um zu erörtern, wie es zu den Ergebnissen gekommen ist“, kündigt er an. Es könne natürlich immer jeden Betrieb treffen, „aber so krass dürfen die Ergebnisse nicht sein. 19 Grad sind ja schon fast für Rotwein zu warm.“ Fenkart geht davon aus, dass die Betriebe von der Lebensmitteluntersuchungsanstalt angezeigt werden.

„Hatten noch nie Probleme“

VOL.AT konfrontierte die zwei betroffenen Betriebe: Im Café „Cappuccino“ ist man von den Ergebnissen „überrascht“. Unlängst sei man von der BH getestet worden, dabei habe es keine Probleme gegeben. Die Torten würden nicht direkt im Café, sondern in Dornbirn hergestellt. Den Test nehme man jedenfalls „sehr ernst“ und hätte bereits mit den Verantwortlichen gesprochen. In der Café-Konditorei Fritz wurde angegeben, dass die Schwarzwälder Kirschtorte als Tiefkühlware zugekauft wird. Bisher sei es noch nie zu Problemen mit diesem Produkt gekommen.