„Patientendaten sind tabu“

Vorarlberg / 22.08.2013 • 21:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In den Spitälern sind die Patientendaten sicher, wird von dort versichert. Foto: vn/paulitsch
In den Spitälern sind die Patientendaten sicher, wird von dort versichert. Foto: vn/paulitsch

Aus den Spitälern drin­gen demnach nur Verbrauchsdaten von Medikamenten nach außen.

Feldkirch. (VN-mm) Die Diskussion um den Verkauf angeblich mangelhaft anonymisierter Patientendaten durch Ärzte und Spitäler für Zwecke der Marktforschung ist längst auch nach Österreich über­geschwappt. Vonseiten der Vorarlberger Landeskrankenhäuser wird jedoch betont, dass sich die Patienten hierzulande sicher fühlen können. Patientendaten seien tabu. „Wir geben keinerlei Patienteninformationen an Dritte weiter, weder verschlüsselt noch anonym“, versicherte die Leiterin der Kommunikationsabteilung in der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Mag. Michaela Sonderegger, auf VN-Nachfrage.

Gegenseitigkeit

Es würden lediglich kumulierte Verbrauchsdaten von in den Krankenhäusern verwendeten Medikamenten an das Marktforschungsunternehmen „IMS Health“ elektronisch übermittelt. Dieses Vorgehen beruht laut Sonder­egger auf Gegenseitigkeit. Denn im Gegenzug erhalten die Vorarlberger Landesspitäler die Verbrauchsdaten anderer Häuser zur Verfügung gestellt. Diese statistischen Werte dienen demnach einem österreichweiten Vergleich und sollen helfen, den Medikamenteneinsatz zu optimieren.

Für Aufregung sorgt die zu Wochenbeginn in Deutschland ruchbar gewordene Angelegenheit bei den Vertretern der Ärzteschaft. So kündigte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechsel­berger, ein Verbot für unklaren Datenhandel an. Übermittlungen, die nicht eindeutig rechtskonform seien, würden in Zukunft verboten. Auf diese Weise werde die Ärztekammer bestehende Lücken schließen und für unmissverständliche Klarheit sorgen, lautet sein Versprechen. Wechselberger verwies darauf, dass die Ärztekammer bereits vor mehr als einem Jahr die Kollegenschaft nachdrücklich vor der Weitergabe von Verschreibungsdaten an IMS gewarnt habe. In einem Rundschreiben wird dies unter anderem damit begründet, dass der Zweck der Erhebung unklar sei. Man werde den Sachverhalt jedenfalls genau prüfen und bei Verfehlungen Schritte einleiten. Weiters wird vom IMS konkrete Aufklärung über die Vertragsinhalte sowie darüber verlangt, welche Ärzte welche Daten zu welchem Zweck übermitteln. Zusätzlich verlangt Wechselberger eine „restlose Aufklärung“, was die Frage der vollständigen Anonymisierung der Daten betrifft.

Detaillierte Kundeninfos

Wenig Vertrauen hat der ÖÄK-Präsident bezüglich der Handhabung sensibler Patientendaten auch in die Sozialversicherungen. Bekanntlich sind bei der Tiroler Gebietskrankenkasse vor einiger Zeit durch grobe Sicherheitsmängel zahlreiche Patientendaten an die Öffentlichkeit gelangt. Darüber hinaus komme es immer wieder vor, dass Abrechnungen falsch adressiert und versandt würden. Und offenbar nicht nur das: Im Rahmen von Krankentransporten erhalten die Fahrer offenbar ebenfalls detaillierte Informationen über ihre Kunden. Diese seien zur Abrechnung mit der Gebietskrankenkasse erforderlich, hieß es aus Branchenkreisen gegenüber den VN.