Übers Meer bis ans Ende der Welt

Vorarlberg / 23.08.2013 • 19:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Moby Dick zum Aufklappen. Die berühmte Geschichte vom weißen Wal goss Sam Ita 2007 in ein entzückendes Pop-up-Buch. Fotos: VN/Paulitsch
Moby Dick zum Aufklappen. Die berühmte Geschichte vom weißen Wal goss Sam Ita 2007 in ein entzückendes Pop-up-Buch. Fotos: VN/Paulitsch

Mit dem „Lesehof“ auf hoher See: Abenteuerliche Kost schlug Besucher in ihren Bann.

Feldkirch. (VN-tm) Zwei Seebären und eine junge Frau, der Jugendliteratur sehr am Herzen liegt – kann man dem Thema „Schiff ahoi“ besser gerecht werden? Schon als Julian Wolf (Saxofon) und Bernhard Oss (Akkordeon) vom Landeskonservatorium mit sichtbarer Freude Jazz aus den 1920er-Jahren intonieren, meint man, es von der übelsten Hafenspelunke bis in die lichten Höhen der Topp­wanten rumoren zu hören.

Dreimal im Jahr laden AK und VN zum „Lesehof“ in den großen Saal der Arbeiterkammer. Drei Gäste bringen zu einem Thema Bücher aus eigenen Beständen mit. Und lesen daraus vor. Ein feines Stammpublikum lässt sich das jedes Mal gefallen. Wann darf man schon ungeniert in anderer Leute Bibliotheken schauen?

Jahrelang auf großer Fahrt

Diesmal also Maritimes. Natürlich führt da an Reinhard Kloser kein Weg vorbei. Welcher Vorarlberger kann schon für sich in Anspruch nehmen, 52 Mal den Panamakanal und sechs Mal den Suezkanal befahren zu haben? Der gebürtige Harder, der den Schaufelraddampfer „Hohentwiel“ wieder zum schönsten Passagierschiff am See gemacht hat, braucht nicht lange nachzudenken. Joseph Conrad hat er im Gepäck, seinen Roman „Spiegel der See“. Und die Szene, die er vorliest, lässt all die Herrlichkeit und Grausamkeit des Ozeans erahnen. Neun Seeleute pumpen auf einem sinkenden Schiff um ihr Leben und lassen sich letztendlich erschöpft in die zu Hilfe eilenden Ruderboote fallen.

Ganz anders der Zugang, den Sabine Benzer wählt. „Wo die wilden Kerle wohnen“ von Maurice Sendak aus 1963 zählt längst zu den Klassikern. Sie erinnern sich? Max macht Unfug. Seine Mutter schimpft ihn „wilder Kerl“ und schickt ihn ohne Abendessen ins Bett. Da verwandelt sich Max’ Zimmer unversehens in einen Wald. Er steigt in sein Segelboot und fährt zu den wilden Kerlen, großen Monstern, die sich von ihm zähmen lassen und ihn zu ihrem König machen. Die Chefin des Theaters am Saumarkt liest an diesem Abend aus Andreas Steinhöfel, „Die Mitte der Welt“. Die größten „Ahs“ und „Ohs“ aber erntet die Pop-up-Version von Hermann Melvilles „Moby Dick“.

Fritz Trippolt ist der Dritte im Bunde. Auch so ein wilder Kerl. Segelt, seit er denken kann. „Und weil wir kein Geld hatten, hab ich mir die Boote eben selber gebaut.“ So wie der Bregenzer Bildhauer Franz Plunder, der mit drei anderen Abenteurern 1923 im selbstgebauten Segelboot „Sowitasgoht“ nach New York segelte. VN-Redakteur Thomas Matt liest aus Plunders Erinnerungen vor. Fritz Trippolt schmunzelt. Er ist ja auch schon über den Atlantik gesegelt. „In einer Regatta.“ Sie wurden damals Dritte. Aber als Trippolt voller Begeisterung seiner Frau vorschlug, nur zu zweit wieder zurückzusegeln, lehnte sie höflich ab.

Sabine Benzer zeigt den Klassiker: Wo die wilden Kerle wohnen.
Sabine Benzer zeigt den Klassiker: Wo die wilden Kerle wohnen.
Julian Wolf und Bernhard Oss ließen die Zwanzigerjahre leben.
Julian Wolf und Bernhard Oss ließen die Zwanzigerjahre leben.

Der nächste Lesehof von AK und VN findet am 21. November in der Arbeiterkammer statt.