Vater verging sich an Dreijähriger

Vorarlberg / 23.08.2013 • 21:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Unterländer (37) muss wegen schweren sexuellen Missbrauchs vier Jahre ins Gefängnis.

feldkirch. Über vier Stunden nahm sich der Schöffensenat Zeit, um den Vorwürfen des schweren sexuellen Missbrauchs und des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses auf den Grund zu gehen. Dann verurteilte das Gericht den 37-jährigen Handwerker aus dem Raum Bregenz zu vier Jahren Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Im Raum steht noch weit mehr als der angeklagte und verurteilte Missbrauch. Es gibt laut Richterin darüber hinaus Hinweise, dass sich in der nach außen hin intakten Familie noch mehr zugetragen hat. Verurteilt wurde jedoch, dass der Mann sich an seiner dreieinhalbjährigen Tochter verging. Verletzungen im Genitalbereich konnten nachgewiesen werden. „Die könnten auch beim Sport entstanden sein. Sie hat immer den ‚Spagat‘ geübt“, wendet der Beschuldigte ein. Die Spermaspuren im Kinderzimmer auf dem Leintuch kann er sich nur so erklären, dass seine Frau sich nicht sauber gewaschen hat, Spuren dorthin verschleppt hat.

„Plausible Erklärungen“

Auch für den Rest der Ungereimtheiten hat der Mann Erklärungen. „Ich habe die Türe versperrt, wenn ich mit der Kleinen im Bad war, weil die Türe defekt ist und sonst immer aufgeht“, meint er. Geweint habe das Kind, weil es Shampoo in die Augen bekommen, nicht weil er es missbraucht habe, so der Beschuldigte.

„Das sind doch alles nur Indizien, für die es plausible Erklärungen gibt“, sagt Verteidiger Martin Kloser. Das Paar befände sich in Scheidung, die Mutter des Kindes wolle dem Mann eins auswischen und sei krankhaft eifersüchtig. Deshalb die falschen Beschuldigungen, sagt der Anwalt.

Nach außen hin war das Kind offenbar fröhlich und aufgeschlossen, so die Kindergärtnerinnen und die Großmutter. Als die Kleine eines Tages der Mutter statt eines Bussis einen Zungenkuss ins Gesicht drückte, wurde die Frau stutzig. Auf die Frage, wo sie das gelernt habe, zeigte das Kind vor, wie sich der Vater auf diese Art und Weise bei ihr vorgetastet hatte. Abends wurde das Kind unruhig, strampelte und schlug grundlos um sich. Die Mutter wusste damals noch nicht, warum. „Eines Tages hab ich ihn erwischt. Die Kleine weinte wieder, er zog ihr schnell die Hose rauf und stellte sich schlafend, da wusste ich, dass er mit meinem Kind etwas macht“, erzählt die Zeugin.

Mittels spezieller Puppen hat das Kind gezeigt, was der eigene Vater ihr angetan hat. In unglaublich klaren Worten – so die Urteilsbegründung – erzählte die Kleine, was geschehen war.

Die Mutter, deren Heimat Tausende Kilometer weit weg liegt, hatte in Vorarlberg kein soziales Netz. „Sie hatte Angst, dass ihr keiner glaubt. Deshalb hat sie geschwiegen, bis sie es selbst gesehen hat“, erklärt Opferanwältin Birgitt Breinbauer. Der Mann bekommt vier Jahre Haft und muss 5000 Euro Schmerzengeld bezahlen. Sowohl Verteidiger als auch Staatsanwalt werden das Urteil bekämpfen.

Die Mutter hatte Angst, dass ihr keiner glaubt. Deshalb schwieg sie, bis sie es selbst sah.

birgitt breinbauer, opferanwältin