Rheintal als Netz-Falle

Vorarlberg / 27.08.2013 • 20:14 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Telefonrechnung mit bösem Erwachen: Einige Handys wählen sich selbst in fremde Netze ein.

Telefonrechnung mit bösem Erwachen: Einige Handys wählen sich selbst in fremde Netze ein.

Handynetz von Schweizer Anbietern im Grenzgebiet: Hohe Rechnungen keine Seltenheit.

Schwarzach. (VN-sas) Aufgrund der Lage Vorarlbergs kommt es immer wieder vor, dass sich der mobile Internet­anschluss oder das Handy unbeabsichtigt in das Netz aus dem Ausland einwählt. Vor allem im Rheintal sind viele mit dieser Problematik vertraut. Das Schweizer Handynetz strahlt etwa zehn Kilometer in das Vorarlberger Gebiet. 200.000 Personen sind deshalb immer wieder von der Problematik betroffen. Plötzlich wird bemerkt, dass man ärgerlicherweise im – oftmals stärkeren – Schweizer Netz eingewählt ist. Die Folge: horrende Rechnungen. Denn im Unterschied zum gebuchten Inlandstarif fallen beim Telefonieren oder Datentransfer über ein ausländisches Handynetz Roaming-Gebühren an.

„Das passiert nach wie vor häufig“, bestätigt Sandra Leichte von der Konsumentenberatung der AK Vorarlberg. Denn auch versierte Handybenutzer sind nicht vor der Netz-Falle gefeit: „Es gibt einige Handymodelle, darunter etwa das iPhone 4, bei denen man die Netzwahl nicht dauerhaft auf ,manuell‘ einstellen kann“, weiß die Konsumentenberaterin. Immer wieder springe das Smartphone auf die Voreinstellung „automatische Netzsuche“. „Dieses Problem lässt sich leider nicht in den Griff kriegen“, fügt Leichte hinzu.

Schweizer Sendemast näher

Die Thematik sei ein zweischneidiges Schwert: Einerseits gewähre der Handy­anbieter seinem Kunden so, dass er dauerhaft guten Empfang hat. „Andererseits ist das für Personen in Grenznähe wie bei uns im Rheintal ungünstig“, unterstreicht die Expertin. Nicht selten komme es vor, dass ein Schweizer Sendemast näher situiert ist als der nächste Mast in Vorarlberg. Gebäude aus viel Beton oder Stahl würden sich zusätzlich negativ auf die Netzwahl auswirken. Eine „klassische Anfrage“ in der AK-Konsumentenberatung etwa komme von Personen, die sich im LKH Feldkirch aufgehalten haben: „Dort scheinen viele Handys den Empfang zu verlieren – anschließend wählen sie sich automatisch in das Schweizer Netz ein“, erklärt Leichte.

Beratungsgespräche aufgrund von hohen Handyrechnungen wegen Schweizer Roaming-Gebühren sind keine Seltenheit. „Gewöhnlich erheben wir binnen einer dreimonatigen Frist Rechnungseinspruch und hoffen auf eine Kulanzlösung“, beschreibt sie die übliche Vorgangsweise. Der Ausblick sei tendenziell aber schlecht: „Früher wurden eher Kosten erlassen als heute“, sagt Leichte.

Prinzipiell muss zwischen Telefon- und Internetrechnungen unterschieden werden. Bei Telefon- oder SMS-Kosten gibt es nach oben keine Kostengrenze. Beim Surfen im Netz dank einer EU-Verordnung, die auch in der Schweiz greift, hingegen schon: „Ab einem Datenverbrauch im Wert von 60 Euro wird die Verbindung gekappt“, weiß die Konsumentenberaterin.

„Regelmäßig beobachten“

Was sie empfiehlt? „Personen, die sich fast nur in Vorarlberg aufhalten, rate ich, ausländische Netze komplett sperren zu lassen. Auch bei Kindern und Jugendlichen ist diese Vorgangsweise ratsam.“ Und bei den anderen? Da bleibe einem oft leider nicht viel anderes übrig, als regelmäßig zu beobachten, in welches Netz das Handy eingewählt ist. „Aus Wien gibt es bis dato wenig Bestrebungen, dieses Vorarlberger Problem zu lösen“, übt Leichte Kritik.

Dieses Problem lässt sich leider nicht in den Griff kriegen.

Sandra Leichte

Tipps zur Netzwahl

» Handynetz: Die Arbeiterkammer rät, die Netzwahl manuell einzustellen, um nicht Gefahr zu laufen, in ein fremdes Netz eingewählt zu werden. Springt das Smartphone immer wieder von selbst auf „automatisch“, bleibt dem Kunden nichts anderes übrig, als den Status seines Geräts immer wieder zu beobachten und ihn gegebenenfalls zu ändern. Auch hat er die Option, von seinem Netzanbieter ausländische Netze komplett sperren zu lassen.

» Internet am Smartphone: Es gibt die Möglichkeit, die Roaming-Funktion des Telefons zu deaktivieren. Dann kann sich das Handy nicht „versehentlich“ in das fremde Netz einwählen.

» Will der Kunde nicht auf die Roaming-Funktion verzichten, so kann er diese selbst aktivieren und deaktivieren.