„Verkaufte“ Patientendaten bleiben Reizthema

Vorarlberg / 27.08.2013 • 20:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei rundem Tisch im Landhaus debattiert: die etwaige Weitergabe von Patientendaten durch Ärzte im Ländle.
Bei rundem Tisch im Landhaus debattiert: die etwaige Weitergabe von Patientendaten durch Ärzte im Ländle.

Forderung für „zertifizierte Software“ in Ärztepraxen. „Weisse Weste“ für Spitäler.

Bregenz. (VN) Die Debatte um den Verkauf von angeblich mangelhaft anonymisierten Patientendaten durch Ärzte und Spitäler an Marktforscher wie „IMS Health“ schwappte von Deutschland nach ­Österreich über. Auch im Ländle wagt man „eine Weitergabe durch mögliche schwarze Schafe nicht kategorisch auszuschließen“, heißt es in Landhaus und Ärztekammer.

„Weiße Weste“ für Spitäler

Dabei gilt es allerdings zwei große Bereiche zu unterscheiden. Und zwar jene der Krankenhäuser und der niedergelassenen Ärzte. Was die Spitäler hierzulande anbelangt, so liegt jetzt das Ergebnis einer Untersuchung am Tisch, die LH Markus Wallner bei Patientenanwalt Alexander Wolf in Auftrag gegeben hat. Laut Wolf hat die Spitalsgesellschaft des Landes lediglich „monatlich Daten über verbrauchte Medikamentenpackungen mit Artikelnummern und Mengeneinheit an IMS übermittelt“. IMS, so schreibt Wolf, „hat keinen Zugriff auf interne Abläufe“ und hole sich die Daten von einem Portal ab. „Ein Zugang zum internen System, insbesondere zu Patientendaten, kann ausgeschlossen werden“, konstatiert Wolf. Sein Fazit: „Die Weitergabe von Mengenangaben von Medikamenten an IMS von Seiten der Spitalsgesellschaft ist unbedenklich.“

Diskussionen am runden Tisch

Es müsse allerdings noch untersucht werden, „ob durch die Weitergabe sonstige Patienteninteressen verletzt werden können“, schreibt Wolf. Die Situation im Hinblick auf die Weitergabe durch niedergelassene Ärzte präsentiert sich hingegen anders. Dies wurde gestern an einem runden Tisch bei Gesundheitslandesrat Christian Bernhard deutlich. Neben Vertretern von Ärzte- und Apothekerkammer hatten dabei auch die Direktoren der Landesspitäler sowie Patientenanwalt Wolf und die Gesundheitssprecher der Landtagsfraktionen am Tisch Platz genommen. „Wir können nicht ausschließen, dass Patientendaten verkauft wurden“, umschrieb Bernhard „die unbefriedigende Situation“ in diesem Bereich.

Jonas zeigt sich „erschüttert“

„Ich würde solche Dinge gerne ausschließen. Unsere Basis als Mediziner beruht auf Vertrauen – und das ist Vertrauensbruch“, zeigt sich auch Michael Jonas als Präsident der Ärztekammer „erschüttert über kursierende Zahlen von Medizinern, die Patientendaten verkauft haben sollen“. Jonas tritt für ein hartes Vorgehen gegenüber schwarzen Schafen ein. „Das reicht von standesrechlichen Konsequenzen bis zum Berufsverbot.“ Darüber hinaus appelliert er an die Mediziner, „beim Kauf von Software für den Computer höhere Sensibilität an den Tag zu legen“. Um derartige Verkäufe an Firmen wie IMS, „die mit Patientendaten als großes Geschäft der Zukunft im Internet ganz offen werben“ würden, verhindern zu können, werde die Ärztekammer einen Vorschlag erarbeiten, wie eine „zertifizierte Software“ in den Praxen zum Einsatz gebracht werden kann.

Unsere Basis beruht auf Vertrauen, das ist Vertrauensbruch.

Michael Jonas, Ärztekammer

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