Wettlauf gegen die Zeit

Vorarlberg / 28.08.2013 • 20:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lisa Lugmayr kümmert sich in „Maria Rast“ um die Flüchtlinge. Foto:VN/Paulitsch
Lisa Lugmayr kümmert sich in „Maria Rast“ um die Flüchtlinge. Foto:VN/Paulitsch

Zwei Großfamilien aus dem Flüchtlingshaus „Maria Rast“ in Schruns auf Herbergssuche.

Schruns. (VN-mm) Langsam kehrt im Flüchtlingshaus „Maria Rast“ Ruhe ein. Nach und nach ziehen die Bewohner aus. Bis Jahresende muss das Gebäude, das der Caritas seit Längerem als Unterkunft für Asylanten dient, geräumt sein. Für die meisten der insgesamt 32 Personen konnten neue Räumlichkeiten gefunden werden. Nur Taisa (39) und ihre fünf Kinder sowie die Familie Avdalyan blicken noch in eine ungewisse Zukunft. „Es ist schwierig, für größere Familien eine passende Wohnung in der Region zu finden“, weiß Flüchtlingsbetreuerin Lisa Lugmayr. Beide Familien würden gerne im Montafon bleiben. „Weil wir uns hier wohlfühlen.“

Das Leben planen

Avdal (18) und Ischchan (17) Avdalyan sind zwei freundliche junge Männer mit ausgesprochen guten Deutschkenntnissen. Sie waren Kleinkinder, als ihre Familie, die dem Volk der Yesiden angehört, aufgrund privater Probleme aus Armenien nach Deutschland floh. Die heute zwölfjährige Schwester kam in der neuen Heimat zur Welt. Acht Jahre blieben sie in Deutschland. Dann suchte die Familie in Österreich um Asyl an. Seit 2011 hält sie sich in Vorarlberg auf, vor einem halben Jahr bekam sie das Bleiberecht zugesprochen. Jetzt möchten Avdal und Ischchan ihr Leben planen.

Avdal würde gerne eine Ausbildung zum Karosserietechniker machen. Dafür hat er sogar den Hauptschulabschluss nachgeholt. Lisa Lugmayr: „Er schreibt auch schon fleißig Bewerbungen.“ Sein jüngerer Bruder will Herbst für den Schulabschluss pauken. Er will Bodenleger oder Maler werden. Vorderhand gilt es allerdings ein Problem zu lösen – das der Wohnung. „Wir haben viel herumgefragt“, so Avdal. Bislang aber ohne Erfolg. „Es gibt fast nur Ferienwohnungen. Die sind für fünf Personen entweder zu klein oder überhaupt ungeeignet“, fügt er an. Trotzdem wollen Avdal und Ischchan ihr Glück weiter im Montafon versuchen. Doch die Zeit in „Maria Rast“ läuft unerbittlich ab.

Auf der Warteliste

Druck, den auch Taisa immer stärker spürt. Fünf Kinder, zwischen 6 und 15 Jahre alt, zieht die Frau aus Tsche­tschenien alleine groß. Der Krieg hat ihre Familie aus dem Land gejagt. Heute ist das Telefon die einzige Verbindung in die Heimat. Seit 2006 lebt Taisa mit den drei Mädchen und zwei Buben in „Maria Rast“. 2012 erhielt sie das Bleiberecht, und seitdem sucht sie nach einer geeigneten Wohnung. „Sie bemüht sich sehr“, bekräftigt Lugmayr. Bei der Gemeinde stehen Taisa und ihre Kinder ganz oben auf der Warteliste. Aber bislang öffneten sich keine passenden Türen. In Schruns möchte sie bleiben, weil sie sich hier sicher fühlt. Auch die Kinder haben sich gut eingelebt. Taisa selbst überbrückt das Warten mit AMS-Kursen. Ein kleines Stück Normalität in einer ungeordneten Welt. Unlängst absolvierte sie ein Praktikum als Näherin. Als ihre Betreuerin davon erzählt, huscht ein Lächeln über das aparte Gesicht der fünffachen Mutter.

Wer mit einer Wohnung helfen kann, möge dies bitte unter
Tel. 05522/200-2533 melden.