Per Gesetz gegen „Datenklau“

Vorarlberg / 29.08.2013 • 20:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sollen mit neuer Software vor ungewollter Datenübertragung geschützt werden: die Computer in den Praxen niedergelassener Ärzte.
Sollen mit neuer Software vor ungewollter Datenübertragung geschützt werden: die Computer in den Praxen niedergelassener Ärzte.

Patientendaten per Gesetz schützen. Das fordert auch die niedergelassene Ärzteschaft.

Bregenz. (VN-tw) Der „Verkauf“ oder die Weitergabe von angeblich mangelhaft ­anonymisierten Daten von Patienten durch Ärzte und Krankenhäuser hat mächtig Staub aufgewirbelt. Ausgelöst wurde die Debatte in Deutschland. Dort war nämlich der „Handel“ mit derartigen Daten aufgedeckt und publik gemacht worden. Inzwischen läuft darüber auch in Österreich eine Diskussion. Und im Ländle wird eine Forderung an den Bund erhoben.

„Lecks“ in Medizinerpraxen?

Während die Spitäler Vorarlbergs laut dem Ergebnis einer Analyse durch Patientenanwalt Alexander Wolf im Hinblick auf die Weitergabe von Patientendaten „dicht“ sind und lediglich Zahlen über benötigte Medikamente weiterleiten, herrscht nach wie vor Unsicherheit darüber, ob bei niedergelassenen Medizinern im Ländle „Lecks“ zu finden sind. Immerhin sollen bundesweit gleich mehrere Hundert Ärzte Daten über Medikamentenverschreibun­gen für ihre Patienten an Marktforschungsunternehmen wie „IMS Health“ weitergegeben haben. Konkrete Hinweise, dass sich unter den rund 1500 niedergelassenen Ärzten Vorarlbergs „schwarze Schafe“ befinden, liegen keine auf dem Tisch.

Software als Problemfeld

Dennoch wagt dies derzeit weder die Ärztekammer mit Präsident Michael Jonas an der Spitze noch Mediziner Harald Schlocker als Sprecher der niedergelassenen Ärzte generell auszuschließen. „Ich verwende eine Software in meinem EDV-System, bei dem mir der Anbieter schriftlich die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen zugesichert hat. Deshalb gehe ich davon aus, das niemand unbemerkt auf meine Daten zugreifen kann“, betonte Schlocker gegenüber den VN. Er hoffe und gehe davon aus, so Schlocker, „dass dies auch bei meinen Kollegen der Fall ist“. Das in den Raum gestellte, wenn auch unbemerkt erfolgte Weiterreichen personifizierter Daten von Patienten ist für den Mediziner, der in Bludenz eine Praxis betreibt, „ethisch sehr bedenklich“ und erschüttert das Vertrauen der Patienten in den Arzt gleichsam in den Grundfesten.

LH Wallner: „Striktes Verbot“

Schlocker schlägt in dieselbe Kerbe wie Ärztekammer-Präsident Jonas und fordert „bundesweit größtmögliche Datensicherheit über eine zertifizierte Software in den Arztpraxen“. Der Bund als Gesetzgeber ist seiner Meinung nach ebenso gefordert. „Es muss ein bundesweites und gesetzlich verankertes striktes Verbot für die Weitergabe von Patientendaten eingeführt werde“, betont LH Markus Wallner auf Anfrage der VN. „Unklarheiten in dieser heiklen Frage müssen rasch beseitigt werden.“ Auch die Aufnahme des Themas in Kassenverträge ist für Wallner ein Thema. Im Landhaus hätten sich die Gesundheitssprecher aller im Vorarlberger Landtag vertretenen Fraktionen deshalb bereits darauf geeinigt, eine gemeinsame Entschließung zu verfassen und diese dem Bund zukommen zu lassen. Damit solle ein Änderung des Bundesgesetzes bewirkt werden.

Es geht um die größtmögliche Sicherheit von Patientendaten

Harald Schlocker, Ärztesprecher