Eltern ab heuer stärker in der Pflicht

Vorarlberg / 30.08.2013 • 19:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lehrer, Eltern und Kinder treffen ab heuer Zielvereinbarungen. Foto: vn/Steurer
Lehrer, Eltern und Kinder treffen ab heuer Zielvereinbarungen. Foto: vn/Steurer

Mittelschule will Stärken der Kinder mit „Zielvereinbarungen“ fördern.

Bregenz. (VN-tm) Die Schriftzüge „Ort der Skepsis“ und „Ort der Vision“ prangen gleichberechtigt an seiner Bürowand. Der 48-jährige Lehrer und ehemalige Direktor der Hauptschule Bregenz-Rieden, Christian Kompatscher, ist im siebten Jahr Bregenzer Bezirksschulrat und für das Projekt „Mittelschule“ verantwortlich.

54 Mittelschulen starten

54 solcher Mittelschulen öffnen am 9. September ihre Tore fürs neue Schuljahr. Was 2008 mit 21 Schulen als Projekt begann, findet nun ins Regelschulwesen. Mit dabei sind auch die private Montessori-Schule in Altach und die frisch gebackene Mittelschule Jagdberg. Aber nicht nur Lehrkörper und Kinder gehen spannenden Zeiten entgegen. Auch die Eltern werden ab heuer in der Mittelschule stärker in die Pflicht genommen.

Beurteilung überarbeitet

„Das vergangene Schuljahr hat bei Lehrern und Eltern für große Verunsicherung gesorgt“, erinnert sich Kompatscher. Im Mai 2012 wurde der neue Lehrplan für die Mittelschule kundgetan, im September trat er in Kraft. „Wir haben uns auf die wesentlichen Dinge konzentriert.“ Vorarlberg modelt heuer zuerst das Thema Beurteilung um. Das heißt: „Ab heuer finden flächendeckend einmal jährlich an jeder Schule und in jeder Schulstufe Kind-Lehrer-Eltern-Gespräche statt.“ Eltern werden sich im Laufe des Herbstes elektronisch in der Schul-Homepage einloggen können, um Termine zu reservieren. „Für Menschen ohne Internet bleibt natürlich die Möglichkeit, sich schriftlich anzumelden.“

Pro Klasse wird es einen Lehrer geben, der diese Gespräche führt. Heute sei es üblich, dass Mathe-, Deutsch- und Englischlehrer die Mittelschulklassen gemeinsam führen. Aus diesem Kreis wird in den meisten Fällen auch jene Lehrerin bzw. jener Lehrer stammen, die oder der sich mit Schulkind und Eltern an einen Tisch setzen wird.

Und zwar wohl vorbereitet. Kompatscher hält ein mehrseitiges Datenblatt in Händen, „das wir optisch noch etwas überarbeiten müssen“. Die Lehrperson wird es im Vorfeld als Gesprächsgrundlage gewissenhaft ausfüllen müssen. Da geht es neben Fachlichem auch um soziale Faktoren: Fühlt sich das Kind in der Klasse wohl? Bringt es eigene Anliegen selber vor? Wo liegen Stärken und Interessen?

„Das Gespräch soll klar stärkenorientiert verlaufen.“ Es geht ums Fördern, nicht ums Niedermachen. Jeder Lehrer hat laut Gesetz pro Woche zwei Stunden Lernbegleitung oder eben Elterngespräche einzuplanen. Diese Gespräche ersetzen zumindest einen Elternsprechtag.

Auch die Eltern und das Schulkind erhalten ein Vorbereitungsblatt, um zu reflektieren. Am Ende des Gesprächs stehen ein Protokoll „und eine Zielvereinbarung, die man miteinander trifft“.

Kompatscher ist überzeugt, dass das zu einer anderen Kultur führen wird. Und wenn die Eltern gar nicht wollen? „Dann wird es ein Gespräch mit der Direktion oder mit der Schulaufsicht geben.“ Am Jahresende erhält jedes Mittelschulkind außer den Noten auch eine sogenannte „differenzierende Leistungsbeschreibung“. Und zwar nicht einfach „war brav“, sondern an ganz konkreten Ereignissen festgemacht.

Kind-Lehrer-Eltern-Gespräche ersetzen einen Elternsprechtag.

Christian Kompatscher

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