Viel Lärm um wenig

Vorarlberg / 30.08.2013 • 19:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die nächste Landtagswahl in Vorarlberg in rund einem Jahr wirft ihre Schatten lange voraus. Vielleicht gerade deshalb versuchen sich die Lobbys rechtzeitig zu positionieren, um ihre Parteien nicht unmittelbar vor dem Urnengang zu brüskieren. Das gilt in erster Linie für das Thema „Kosten von Bauen und Wohnen“. Einem Großteil des Wahlvolks brennt es unter den Nägeln. Immer häufiger geht es um die Existenz von Familien und Alleinerziehenden im zunehmend armutsgefährdeten Ländle. Wer „hungert“ in dieser Situation nicht nach Lösungen?

Die Sozialpartner Wirtschafts- und Arbeiterkammer haben sich jetzt gegen den Entwurf des Landes-Energieeffizienzgesetzes eingeschworen und machen massiv Druck auf ihre eigenen Landes-Schwarzen. Indieselbe Kerbe schlagen die FPÖ sowie die Vorarlberger Eigentümervereinigung. WK-Präsident Manfred Rein spricht gar von einer „Gesetzestollwut“, meint damit aber auch die Effizienzrichtlinie der EU und des Bundes. Daraus kann für den Bürger ein bürokratischer Dschungel entstehen, muss aber nicht. Festgebissen haben sich die Kammern und Interessenvertreter an den hohen Standards für die Öko-Förderung in der Landeswohnbauförderung, allen voran beim Passivhaus. Um die Kriterien zu erfüllen, sei der Wohnbau zu teuer.

Stimmt nicht, sagt der international renommierte Architekt am Energieinstitut Vorarlberg, Helmut Krapmeier. Auch er ist gegen eine Überreglementierung, die aber nicht die Ursache sei. Mit den ausreichend vorhandenen Grundstücken werde spekuliert. Seine weiteren Rezepte für die Einsparung von Energiekosten: Kleinere Häuser, Absenkung der Raumtemperaturen, kleinere Fensterflächen. Was das Energieinstitut sagt, ist der Wirtschaftskammer und Industrie mehr als egal. Man brauche dort maximal 1,5 Mitarbeiter, meinte kürzlich ein hoher Repräsentant der Industriellenvereinigung. Derzeit sind es rund 40. Die Wirtschaftskammer hat sich lange Zeit gegen das Landesprogramm „Energiezukunft 2050“ gewehrt, nach einigen Kompromissen aber einen Vertreter entsandt.

Und es geht mit dem Passivhausstandard: Die AGB Frankfurt Holding, die Wohnbaugesellschaft der Stadt, errichtet fast 50.000 Wohnungen. Kein Unternehmen hat so viele Passivhäuser gebaut. Die zusätzlichen Investitionen, auch bei Altbausanierungen, sind nach wenigen Jahren ausgeglichen.

Was sollen also die inszenierten Grabenkämpfe bezüglich Passivhaus in Vorarlberg? LH Wallner besänftigt: Man wird die Einwände anschauen, und eventuell müssen die Legistiker zurück an der Start. Helmut Krapmeier hofft auf die Solidarität der Bürger(innen).

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Marianne Mathis ist freie Journalistin .
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