„Sei kein Trottel, wähl’ den Mottl“

Vorarlberg / 18.09.2013 • 20:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Manfred Mottl ist bis zu den Nationalratswahlen jeden Tag unterwegs, um Stimmen für die CPÖ zu werben. Foto: hrj
Manfred Mottl ist bis zu den Nationalratswahlen jeden Tag unterwegs, um Stimmen für die CPÖ zu werben. Foto: hrj

Ein Tag mit dem Wahlkämpfer Manfred Mottl, Vertreter der Christlichen Partei.

Heidi Rinke-Jarosch

DORNBIRN. Die CPÖ, die sich als „Garant für eine von christlichen Werten geprägte Gesellschaft“ versteht, tritt gegen das Gender-Mainstreaming auf und versteht Homosexualität als Verirrung. Die Partei fordert unter anderem Lebensschutz für den Menschen vom Anfang bis zum Ende sowie notwendige Veränderungen im Justizsystem.

Manfred Mottl trat erst kürzlich in die CPÖ ein – „weil ich dafür bin, dass man Nächstenliebe praktiziert und anständig ist“ – und wahlkämpft jetzt an der Seite von Werner Harder und Erwin Dünser. Unter dem Motto „Sei kein Trottel, wähl’ den Mottl“ ist der 51-jährige Lustenauer zurzeit jeden Tag unterwegs, um Stimmen für die CPÖ zu werben – trotz schwerer körperlicher Behinderung. Der vergangene Dienstag war für ihn anstrengend, aber erfolgreich.

06:00 Aufsitzen, mühsam in den Rollstuhl rutschen, Kaffee zubereiten. Den braucht Manfred Mottl dringend, um munter zu werden. Dann werden E-Mails gecheckt und die Skype-Verbindung zu seiner philippinischen Partnerin Leila (36) hergestellt. „Sie hat noch immer kein Visum bekommen, um zu mir zu kommen.“ Traurig ist das.

09:00 Sein bester Freund holt ihn ab. Die Autofahrt geht nach Bürs, zum Gemeindeamt. Ein Gespräch mit Helmut Zimmermann, dem einzigen „roten“ Bürgermeister im Land, steht an. Der Inhalt sei rein freundschaftlicher Natur gewesen.

12:00 Mittagsmenü in der Rankweiler „Werkstatt“. Auf dem Menü steht heute Schweinebraten mit Knödel. Bei einer Tasse Kaffee danach plaudert Manfred Mottl mit dem neuen Geschäftsführer Thomas. Zentrales Thema ist diesmal die CPÖ.

14:30 Beim Postamt in Lustenau gibt Mottl ein Paket für seine Schwester auf.

16:00 Manfred Mottl rollt auf den Dornbirner Marktplatz ein. Seine Mitstreiter sind noch nicht aufgetaucht. So bleibt Zeit für ein Tässchen Kaffee bei Amann.

16:15 Werner Harder und Erwin Dünser treffen ein – und mit ihnen ein ORF-Team. Ein paar Szenen mit dem CPÖ-Trio werden gedreht, dann konzentriert sich Manfred Mottl auf die Passanten. Vor dem Geschäft des Weltbild-Verlags (der übrigens der katholischen Kirche gehört), verteilt er Postkarten und Prospekte – nicht ohne die Leute in ein Gespräch zu ziehen. „Ich will ihnen die Sachen nicht kommentarlos in die Hand drücken.“

16:40 Mottl: „Sie sind Deutsche?“ Passantin: „Ja.“ Mottl: „Oh. Ihr habt ja auch Wahlen.“

16:45 Mottl zu jungem Mann: „Das ist nix Böses, bloß eine Postkarte von mir. Ich kandidiere für die CPÖ.“ Der junge Mann geht weiter, reagiert nicht. Mottl: „Den habe ich wohl ein bissl überfahren.“ Zu einer Frau um die 50, die ihr Rad durch die Fußgängerzone schiebt, sagt er: „Nehmen Sie doch die Postkarte. Sie beißt nicht.“ Die Frau seufzt tief. Wählen sei diesmal so schwierig, klagt sie. „Klar“, sagt Mottl, „weil man vornazua dem Volk verspricht und ihm dann die Rechnung präsentiert.“

18:30 Mottl trifft im ORF-Funkhaus in Dornbirn ein, nachdem er sich zu Hause umgezogen hat. In einer Stunde beginnt die Podiumsdiskussion von VN und ORF mit den Spitzenkandidaten. Mottl wird eine Publikumsfrage stellen.

22:00 Nachdem er die Grüne Juliane Alton mit seiner Meinung „Geborgenes Heim statt fremde Kinderbetreuung“ genervt hat, lässt sich Mottl von Werner Harder nach Hause fahren.

24:00 E-Mails und News sind gecheckt. Müde lässt sich der Wahlkämpfer vom Rollstuhl ins Bett gleiten. Strapaziös wird’s auch morgen wieder.