Ein Schatz, der im Walde steht

Vorarlberg / 26.09.2013 • 21:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Organisatoren und Preisträger freuten sich gleichermaßen: Die einen über die rege Teilnahme, die anderen über Urkunden. Foto: LAWIKA
Organisatoren und Preisträger freuten sich gleichermaßen: Die einen über die rege Teilnahme, die anderen über Urkunden. Foto: LAWIKA

Was mit der Weißtanne möglich ist, zeigt der erste Internationale Weißtannenpreis.

Krumbach. (VN-mm) Als Weihnachtsbaum glänzt sie schon lange. Jetzt erlebt die Weißtanne auch als Baustoff eine Auferstehung. Sichtbares Zeichen dafür ist der Internationale Weißtannnenpreis, der heuer erstmals ausgeschrieben wurde. Teilgenommen haben das Westallgäu, der Nordschwarzwald und Vorarlberg. Von den insgesamt 61 Einreichungen kamen 20 aus dem für seine Holzarchitektur bekannten und gefeierten Ländle. Zwei Kindergärten und zwei Privathäuser gingen als Sieger aus dem besonderen Bewerb hervor.

Gute Wertschöpfung

Heimisch, edel, ökologisch, modern: Alle diese Attribute werden der Weißtanne heutzutage zugeschrieben. Früher stand sie im Abseits. Ein stolzer Baum, für den es kaum bis gar keine Nachfrage gab. „Wir haben lange nicht gewusst, welcher Schatz da im Wald steht“, räumte DI Thomas Ölz von der Landwirtschaftskammer bei der gestrigen Preisverteilung schmunzelnd ein. Dafür ist das Geschäft jetzt so richtig in Fahrt gekommen.

Was wiederum Anton Wirth, Obmann der Regionalentwicklung Bregenzerwald, und Josef Moosbrugger, Obmann des Waldverbands, freut. Denn die verstärkte Nutzung der Weißtanne als Baustoff bringe nicht nur bäuerlichen Familien eine bessere Wertschöpfung. Auch für kleinere und mittlere Unternehmen in ländlichen Regionen sei sie ein wichtiger betriebswirtschaftlicher Faktor geworden. Wobei Moosbrugger die Vermarktung noch längst nicht ausgeschöpft sieht. „Die Weißtanne ist eine Chance für die Zukunft“, meinte er.

Und das nicht nur in Form attraktiver Gebäude oder Möbel. Sie leistet durch ihre hohe Schattenverträglichkeit einen ebenso bedeutenden Beitrag zur Sicherung der Schutzwaldfunktion. „Weißtannen wachsen selbst dann, wenn sie kein Licht bekommen“, erklärte Ölz. Damit ermöglichen sie den für einen guten Schutz nötigen stufigen Waldaufbau. Die Waldbewirtschaftung wiederum erfolgt ökologisch und naturnah. Ein großes Problem stellt laut Waldverbandsvertretern der nach wie vor untragbar hohe Verbiss durch Rehe, Hirsche und Gämsen dar. Deshalb sei die Erhaltung des Weißtannenanteils eine wichtige Zielsetzung in der Vorarlberger Forststrategie.

Vernetzung über Grenzen

Das Hauptvorkommen an Weißtannen befindet sich im Raum Bregenzerwald und Dornbirn. Kaum verwunderlich also, dass von dort auch die heimischen Preisträger kommen (siehe Infobox). „Die Weißtanne entspricht der Ästhetik der heutigen Zeit. Die Einreichungen dokumentieren die Einsatzbreite des Materials“, resümierte Mag. Marina Hämmerle, Architektin und Jurymitglied. Gelobt wurde auch die gute Zusammenarbeit über Grenzen hinweg. „Mit diesem Projekt setzen wir den europäischen Vernetzungsgedanken um“, meinte die Geschäftsführerin der Aktionsgruppe Nordschwarzwald, Dajana Grzesik, selbstbewusst.

Der Weißtannenpreis soll deshalb keine einmalige Sache bleiben. Interesse an der Teilnahme kommt bereits aus der Steiermark, aus der Schweiz und den Organisationsregionen sowieso. Die ersten Preisträger erhielten Urkunden und Wellness-Gutscheine.

Siegerprojekte

Kategorie Öffentliche Gebäude: Kindergarten Bizau, Architektur Bernardo Bader, Dornbirn.

Kategorie Privatgebäude:
Haus Übelher, Mellau, Architektur Jürgen Haller und Peter Plattner, Mellau.

Kategorie Möbel und Innenausbau: Haus am Moor, Krumbach. Architektur Bernardo Bader, Dornbirn.

Regionenpreis Vorarlberg:
Kindergarten Dornbirn-Wallenmahd, Architektur Johannes Kaufmann.