„Über unsere Köpfe hinweg entschieden“

Vorarlberg / 01.10.2013 • 21:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Brustkrebsvorsorge ist zum Diskussionsthema verkommen. Ärzte und Kassen liegen sich wegen der Honorare in den Haaren. Foto: VN
Die Brustkrebsvorsorge ist zum Diskussionsthema verkommen. Ärzte und Kassen liegen sich wegen der Honorare in den Haaren. Foto: VN

Auch die Radiologen in Vorarlberg fühlen sich in der Causa Brustkrebsvorsorge neu tariflich benachteiligt.

Bregenz. (VN-mm) Es gärt auch bei den heimischen Radiologen, was das neue Brustkrebsfrüherkennungsprogramm angeht. „Wir können nur unter Protest teilnehmen“, ließ der Sprecher der Fachgruppe, Dr. Herbert Vonbank, gegenüber den VN verlauten.

20.000 Befundungen

Der Grund für die Unzufriedenheit ist ebenfalls ein monetärer. „Wir hätten dem Honorarabschluss in unserem Bundesland nicht zugestimmt“, betont Vonbank nachdrücklich. Doch die „Internistenkammer“, als die er seine Standesvertretung bezeichnet, habe mit der Gebietskrankenkasse „über unsere Köpfe hinweg entschieden“. Den ausverhandelten Mammografie-Vorsorge-Tarif nennt Herbert Vonbank „eine große Enttäuschung“. Nicht einmal für die enorme Mehrarbeit der Doppelbefundung sei ein Honorar bewilligt worden. Die niedergelassenen Radiologen im Land führen jährlich etwa 20.000 Brustuntersuchungen durch. „Und das auf sehr hohem Niveau“, sagt Vonbank.

Dennoch musste, um am neuen Mammascreening teilnehmen zu können, weiter auf- und umgerüstet werden. Den Mehraufwand beziffert der Fachgruppensprecher mit 20 bis 30 Prozent. Gleichgeblieben sind seinen Aussagen zufolge aber die Honorare.

Wobei die Unkosten etwa für den technischen Teil mit dem in der neuen Honorarordnung beschlossenen Valorisierungsverzicht für zweieinhalb Jahre gänzlich eingefroren wurden. Das ärgert. „Man kann den Radiologen doch nicht ein aufwendiges Früherkennungsprogramm aufs Auge drücken und dafür keinen Euro mehr ausgeben wollen“, echauffiert sich Vonbank.

Unverständlich ist für ihn außerdem, dass es bei einem bundesweit identen System so unterschiedliche Tarife gibt, wobei der Tarif in Vorarlberg schon vorher „sehr tief lag“. Die neuen reinen Untersuchungshonorare bewegen sich demnach zwischen 79 und 96 Euro, wobei Niederösterreich den höchsten und Vorarlberg den niedersten Tarif zahle. Vonbank sieht durch diesen Umstand vor allem Einzelordinationen wirtschaftlich bedroht.

Kündigung angedroht

Doch es gibt Hoffnung. Bei den nächsten Honorarverhandlungen soll das Anliegen der Radiologen ganz oben auf der Tagesordnung der Ärztekammer stehen. Für den anderen Fall sind Konsequenzen eingeplant. „Ändert sich an der Situation nichts, behalten wir uns eine Kündigung des Screening-Vertrags vor“, lautet die unmissverständliche Ansage.

GKK-Obmann Manfred Brunner sagt zum kritisierten Kostenmodell: „Einheitliche Tarife sind nur möglich, wenn es noch keine solchen für ein Programm gibt. Bei bestehenden Tarifen bringt ein für alle gleicher Durchschnittstarif kaum etwas.“

Der ausverhandelte Mammografie-Vorsorge-Tarif ist für uns eine große Enttäuschung.

herbert vonbank

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