„Frauen müssen sich nicht sorgen“

Vorarlberg / 02.10.2013 • 18:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Frauen müssen sich nicht sorgen“

Diskussion um neues Brustkrebsprogramm empört und verunsichert viele.

bregenz. (VN-mm) Die Debatte um ein mögliches Scheitern der Brustvorsorge neu macht offenbar auch den Frauen zu schaffen. „Täglich erlebe ich in meiner Praxis empörte, vor allem aber verunsicherte Patientinnen“, erzählt Dr. Hans Concin. Doch der erfahrene Vorsorgemediziner und langjährige Leiter der Gynäkologie im LKH Bregenz beruhigt: „Es besteht kein Grund, sich Sorgen zu machen. Die Mammografie in Vorarlberg wird bereits mit höchster Qualität durchgeführt.“ Auch die im neuen Programm vorgesehene Doppelbefundung sei landesweit schon obligat. Concin: „Die technische Ausstattung der radiologischen Ordinationen, die Ausbildung der Assistentinnen und die Qualifikation der Radiologen gewährleisten eine optimale Brustuntersuchung.“

Bessere Auswertung

Was durch das bundesweite Mammo-Screening sehr wohl besser wird, ist die Auswertung über den Nutzen einer solchen Maßnahme. Seit der aks keine Daten mehr aus den Vorsorgeuntersuchungen lukrieren kann, liegt die Evaluierung im Koma. Wie berichtet, ist Hans Concin jedoch bemüht, die Daten zwecks wissenschaftlicher Verwertung wieder ins Land zu holen.

Keine Mammografie unter 40

Denn auch die Sinnhaftigkeit der Mammografie steht bei Wissenschaftern immer noch in Diskussion. „In jungen Jahren ist Brustkrebs eine schicksalshafte Erkrankung“, sagt der Gynäkologe. Und auf das Schicksal habe die Mammografie relativ wenig Einfluss, fügt er an. Es werde auch kein Arzt einer Frau unter 40 die Mammografie als Screening empfehlen, außer sie sei betroffen oder habe ein hohes Risiko. Der Grund: Je jünger eine Frau, umso dichter und strahlungsempfindlicher ist das Brustgewebe. Concin räumt aber „eine Grauzone zwischen 40 und 50 ein“. Sicher ist seinen Aussagen zufolge, dass eine Mammografie im Alter von 50 bis 69 „Sinn macht“. Da seien sich fast alle damit befassten Stellen einig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Brustuntersuchung ab 50, ebenso die EU. In Österreich haben sich die Experten auf 45 als Kompromiss geeinigt. Hans Concin begegnet dieser Frage auf pragmatische Art: „Der Beginn sollte individuell festgelegt werden.“

Auch, was die zeitlichen Intervalle einer Mammografie betrifft, gibt es höchst unterschiedliche Erfahrungen. In Amerika beispielsweise werden jährliche Mammografien überwiegend bei Frauen zwischen 40 und 50 Jahren gemacht. In England wiederum beträgt der Abstand in der gleichen Altersgruppe drei Jahre. „Die Ergebnisse sind jedoch gleich gut wie jene der Amerikaner“, zitiert Concin aus wissenschaftlichen Vergleichen.

Das im österreichischen Screeningprogramm für die Zielgruppe der 45- bis 69-Jährigen festgelegte Intervall von zwei Jahren bezeichnet er als „sinnvollen Kompromiss von Strahlenbelastung und Ergebnis“. Zudem müssten bei einem solchen Programm immer auch die Kosten berücksichtigt werden. „Ein Screening erfordert viel Geld“, stellt er sachlich fest.

Lebensstil als Risikofaktor

Hans Concin sagt auch ganz klar, dass Brustkrebsvorsorge mehr ist als nur eine Mammografie. Eine ebenso entscheidende Rolle spiele der Lebensstil. So erhöht etwa Alkoholkonsum das Risiko deutlich. Das gilt vor allem bei mehr als einem Achtel täglich. Übergewicht und Bewegungsmangel sind der Brustgesundheit auch nicht gerade zuträglich. Und bei der Ernährung sollte pflanzlicher Kost der Vorzug vor fleischlichen Genüssen gegeben werden.

Brustkrebsvorsorge ist mehr als nur eine Mammografie.

hans concin

Fakten

» Rund 1,5 Millionen Frauen

werden durch das geplante neue

Einladungssystem erreicht.

» Zwischen 50 und 70 Millionen
Euro kostet das Programm jährlich, wobei die Untersuchungen die Sozialversicherungen zahlen.

» Zwischen 50 und 70 Prozent

liegt in Vorarlberg die Akzeptanz bei

der Brustvorsorge.

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