In der Kammer des Schreckens

Vorarlberg / 02.10.2013 • 21:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Amtsdirektor Huber mit einem verwahrten Beweisgegenstand.
Amtsdirektor Huber mit einem verwahrten Beweisgegenstand.

Die Verwahrstelle unter dem Landesgericht ist ein schauriges Arsenal von Zeugnissen des Verbrechens.

feldkirch. (gs) Ein menschlicher „Skalp“ (Kophaut mit Haaren), eingeschweißt in Nylon, verpackt in Karton, und voller Rätsel. „Der wird hier schon seit 1960 verwahrt“, sagt der Leiter der Verwahrungsstelle, Christian Schwager. „Aber wir wissen noch heute nicht, mit welchem Verbrechen er in Zusammenhang steht.“

Wir befinden uns in den unterirdischen Katakomben der „corpi delicti“ des Landesgerichts Feldkirch und der Justizanstalt. Oben die Häftlinge und hier unten, im Keller, das Beweismaterial ihrer Verbrechen. Es lagert hier tonnenweise. In Kartons, verwahrt hinter Stahltüren und Gittern, und mit teilweise makabrem Inhalt. Hier eine Pfanne, mit der ein Vorarlberger seine Partnerin erschlug, dort ein Messer, an dem noch das Blut klebt, und daneben ein Behälter mit Waffen, aus deren Mündungen tödliche Kugeln abgeschossen wurden.

Die „Drogenabteilung“

Man nennt es auch „Asservatenkammer“, Landesgerichtspräsident Heinz Bildstein ist die Bezeichnung „Verwahrstelle“ jedoch lieber. „Jedes Gramm Haschisch, das sichergestellt wird, landet hier“, informiert er. Doch nicht für immer, betont Bildsteins „rechte Hand“, Amtsdirektor Reinhard Huber: „Gerade haben wir 16 Kilogramm Kokain der Vernichtung zugeführt“, sagt er. Wo das geschah, bleibt ein Geheimnis – aus Sicherheitsgründen.

Tatsächlich führen alle Wege sichergestellter Drogen hierher. Hier bleiben sie, bis der Fall abgeschlossen ist. Wir besuchen die Kammer, in der das Rauschgift gestapelt wird. In diesem hermetisch abgeriegelten Raum riecht es süßlich, der Geruch von Haschisch liegt in der Luft. Wir bleiben hier nur kurz, um nicht noch selbst davon „high“ zu werden. „Bei 90 Prozent der verwahrten Drogen handelt es sich um Cannabis“, so Stellenleiter Schwager.

Sicherheitsmaßnahmen

Doch ein kleiner Teil davon ist nicht für den Ofen bestimmt. Er dient zum „Schnüffeltraining“ für die Suchtgifthundestaffel der Kriminalpolizei. Der Rest von dem Zeug wird irgendwann verschwinden. Auf Nimmerwiedersehen, und unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen, versteht sich. „Insgesamt acht Leute überwachen den Abtransport“, so Huber, „unter ihnen auch zwei Polizisten.“

Etwas länger werden sie aber noch eine regelrechte „Cannabisfabrik“ hier verwahren – weil der Fall noch offen ist. In einer Ecke gestapelt findet sich alles, was die verdächtigen Straftäter für die Aufzucht von Haschischpflanzen benötigten: Luftfilteranlagen, Lampen, Zeltplanen und so weiter. „Die Polizei brauchte einen Klein-Lkw, um das Zeug hierher zu bringen“, erinnert sich Schwager.

Jährlich 2000 Gegenstände

Doch was geschieht mit dem anderen Beweismaterial, das hier noch gelagert wird? Mit den Schusswaffen, Messern, Beutegegenständen oder anderem Diebsgut? „Auch die Waffen werden irgendwann vernichtet“, sagt Amtsdirektor Huber. Nichts kann für die Ewigkeit hierbleiben. Immerhin seien es jährlich an die zweitausend Beweisgegenstände, die hier neu verwahrt werden, fügt Schwager hinzu. Nicht wenige davon würden aber auch an die Geschädigten zurückgeführt. Etwa Diebsgut. Aber erst wenn der Fall abgeschlossen ist. Und bevor es etwas zu eng wird in diesen Räumen.

Jedes Gramm Haschisch, das sichergestellt wird, landet hier.

amtsdirektor

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