Kampf um „faire Löhne“ macht sich nun bezahlt

Vorarlberg / 03.10.2013 • 20:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Neuer Kollektivvertrag für Beschäftigte in Sozial- und Gesundheitseinrichtungen.

Bregenz. (VN-mm) Eine Unterschriftenaktion und eine große Betriebsversammlung waren nötig, um für die rund 4700 Beschäftigten in Sozial- und Gesundheitseinrichtungen einen neuen Kollektivvertrag auszuhandeln. Vor allem nach der Betriebsversammlung, die fast eintausend Personen mobilisierte, kam laut Gewerkschaftsvertreter Bernhard Heinzle Bewegung in die bis dahin eher zäh laufenden Gespräche mit den Arbeitgebervertretern.

Ab 1. Februar 2014 beträgt nun der Mindestgehalt 1500 Euro brutto. Insgesamt bleiben den Mitarbeitern künftig pro Jahr zwischen 1000 und 4300 Euro mehr in der Lohntüte. Einzige Wermutstropfen: Die Arbeitnehmervertreter rechneten mit der Gehaltsreform schon am 1. Juli. Außerdem wird es keine rückwirkende Aufrollung geben.

Ungleichgewicht ausgeräumt

Dennoch herrschte zwischen Arbeitgebervertreter Dr. Christoph Hackspiel und dem Chefverhandler der Privatangestelltengewerkschaft, Bernhard Heinzle, bei der gestrigen Präsentation des neuen Kollektivvertrags eitel Wonne. Beide unterstrichen die Notwendigkeit attraktiver Arbeitsplätze und einer ebensolchen Bezahlung zur Erhaltung des sozialen Miteinanders. „Der Sozialbereich steht vor großen Herausforderungen“, sagte Hackspiel und nannte die steigende Lebenserwartung sowie die zunehmende Armut als drängendste Beispiele. Mildtätigkeit reiche nicht mehr. „Wir benötigen in der Betreuung und Begleitung unbedingt Fachpersonen“, so Christoph Hackspiel.

Der Kampf um „faire Löhne“ begann nach der für die Krankenhäuser bewilligten millionenschweren Gehaltsreform. Zu groß erschien den Verantwortlichen nun das Ungleichgewicht zwischen den Gehaltssystemen. „Der Sozialbereich war bisher unterbewertet“, räumte Christoph Hackspiel ein. Doch jetzt wähnen sich beide Seiten im Besitz des „innovativsten Kollektivvertrags in Österreich“, wie Heinzle meinte.

Vage Kostenschätzung

So wurden unter anderem die Gehaltsklassen neu gestaltet, wobei die Gehaltskurven am Anfang deutlich stärker ansteigen. Diese Regelung soll auch junge Menschen motivieren, in Sozial- und Pflegeberufe einzusteigen. Einen weiteren Anreiz stellt die Anrechnung aller Karenzzeiten für die Vorrückung dar, und es gibt eine einheitliche Erschwerniszulage für alle Dienstnehmer, die über­wiegend in der Klienten-
und Patientenbetreuung arbeiten.

Auf die Kosten für den neuen Kollektivvertrag wollten sich Hackspiel und Heinzle nicht festlegen. Zuerst müssten die 145 Organisationen ihren jeweils konkreten Finanzbedarf ermitteln. „So hoch wie jener der Gehaltsreform für die Spitalsbediensteten dürfte er aber nicht sein“, lautet die zwar vage, aber zumindest einhellige Einschätzung.

Verbal vorgebaut

In den nächsten Wochen erfolgt die Abstimmung der Tarifgestaltung mit den zuständigen Fachabteilungen im Land sowie im Sozialfonds. Am 30. Oktober wird es eine gemeinsame Information für die Beschäftigten geben. „Sollte die Reform zu mehr Druck auf das Personal führen, wissen wir uns zu wehren“, baute Gewerkschaftsvertreter Bernhard Heinzle allen Eventualitäten schon einmal verbal vor.

Der Sozialbereich war bisher sicher unterbe- wertet.

Christoph Hackspiel

Fakten

2700 Beschäftigte gibt es im Sozial- und Gesundheitsbereich.

2000 Personen arbeiten im Pflegebereich.

1100 Euro jährlich beträgt der Mehrverdienst für Pflege- und Heimhelfer.

3900 Euro sind es bei Diplomsozialbetreuern für Behinderten-, Alten- und Familienarbeit.

4000 Euro mehr erhalten Diplomkrankenschwestern bzw. Diplomkrankenpfleger.

4300 Euro macht es bei Diplomsozialarbeitern aus.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.