Mehr Schlagkraft durch 2000 Watt

Vorarlberg / 04.10.2013 • 19:11 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die energieeffizienteste Stadt Österreichs ist Feldkirch. Sie hat sich laut Bgm. Berchtold ein neues ambitioniertes Ziel gesetzt: „Mit Partnerstädten rund um den Bodensee wollen wir bis 2050 die 2000-Watt-Gesellschaft realisieren – ganz im Sinne der angestrebten Energieautonomie ­Vorarlberg.“ Um dieses Ziel zu erreichen, werden noch viele Schritte nötig sein. Bis Jahresende etwa wird in Feldkirch ein eigener Energie-Masterplan u. a. die Potenziale für eine nachhaltige Energieversorgung aufzeigen und das Umwelt- und Energiebewusstsein jedes Einzelnen weiter stärken. Das versucht die Stadt Feldkirch seit Langem mit verschiedensten Aktionen im Umweltbereich. Mit der Kampagne „Wir leben 2000 Watt“ wird dieses Ansinnen künftig noch mehr Schlagkraft erhalten. Mit im Boot sind die Schweizer Städte Arbon, Gossau, St. Gallen, Schaffhausen und Winterthur und die deutschen Kommunen Radolfszell, Konstanz, Singen und Überlingen.

Doch was heißt das wirklich? Das globale Reservoir an fossilen Energien, insbesondere Erdöl, leert sich zunehmend. Schon bald rücken die nur schwierig abbaubaren Vorkommen ins Blickfeld. Die Ausschöpfung dieser Reserven führt zu Verknappungen, die bereits jetzt zu wirtschaftlichen Folgen und kriegerischen Auseinandersetzungen führen. Es ist offenkundig: Wir leben auf Kosten kommender Generationen. Die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft sieht künftig eine kontinuierliche Absenkung des Energiebedarfs in den Industrieländern vor. Vom Verbrauch betrachtet sollen dies dann jährlich 17.000 Kilowattstunden pro Person sein, gegenüber heute rund 50.000 – Wohnen, Ernährung, Mobilität und Einkauf eingerechnet.

Die Lebensqualität erfährt in der 2000-Watt-Gesellschaft keine Einschränkung. Im Gegenteil: Sicherheit und Gesundheit, Komfort und individuelle Entwicklung verbessern sich, die Einkommen steigen in 50 Jahren um rund 60 Prozent. Diese ambitionierten Ziele sind mit entschiedenem Handeln und ohne Komfortverlust zu erreichen. Die 2000-Watt-Gesellschaft ist eine schweizerische Entwicklung von 2008, ehe sich in Vorarlberg die politischen Entscheidungsträger und Lobbys in einem zeitaufwendigen Prozess zum Landesprogramm Energieautonomie durchrangen. „Die Ziele sind in etwa dieselben, deshalb wurde die 2000-Watt-Gesellschaft nicht mehr propagiert“, heißt es vonseiten des Vorarlberger Energie-Instituts.

Bleibt abzuwarten, ob sich Feldkirch in der Städtepartnerschaft auch gegen Fracking im Kanton St. Gallen, gegen die eidgenössischen AKW und gegen die Zerstörung der Rheinfälle stark macht. Ansonsten bliebe es ein reines, von der EU mitfinanziertes Projekt.

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Marianne Mathis ist freie Journalistin .
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