Todesstrecke verliert an Gefahr

Vorarlberg / 04.10.2013 • 22:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
28. 12. 2002Ein Frontal-Crash auf der S 16 bei Innerbraz erschüttert Vorarlberg. Zwei Erwachsene und drei Kinder sterben. Verwandte errichten später an der Unfallstelle eine Gedenktafel.
28. 12. 2002
Ein Frontal-Crash auf der S 16 bei Innerbraz erschüttert Vorarlberg. Zwei Erwachsene und drei Kinder sterben. Verwandte errichten später an der Unfallstelle eine Gedenktafel.

Die S 16 schrieb Schlagzeilen. Die Todesstrecke forderte viele Opfer. Maßnahmen greifen.

Bludenz. 28. Dezember 2002. Ein Samstagvormittag. Ein Lkw drückt einen Kleinbus gegen die Lärmschutzwand und schlitzt dabei das Fahrzeug der siebenköpfigen deutschen Urlaubergruppe regelrecht auf. Den Ersthelfern bietet sich ein Bild des Grauens. Zwei Erwachsene und drei Kinder sterben an der Unglücksstelle. Die S 16 schreibt als Todesstrecke wieder Schlagzeilen.

Allein zwischen 2000 und 2003 sterben 15 Menschen bei Unfällen auf der Schnellstraße

zwischen Bludenz und Langen. Weitere 74 werden verletzt. Die Sicherheit auf der S 16 wird zum politischen Thema. Der Straßenbetreiber ASFINAG und die Exekutive setzen Maßnahmen. Eine doppelte Sperrlinie wird markiert, die Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h reduziert. Dazu Überholverbot auf der gesamten Strecke. Kontrollen werden verstärkt. Von 2004 bis 2005 folgt der vierspurige Ausbau zwischen Dalaas und Klösterle. Auch an der Tunnelsicherheit wird gearbeitet.

80 Prozent weniger Tote

Die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen greifen. Das zeigen jetzt von den VN beim Kuratorium für Verkehrssicherheit recherchierte Unfallzahlen zwischen 2000 und 2011. Vergleicht man die Werte der Jahre 2000 bis 2005 mit jenen von 2006 bis 2011, so ist die Zahl der Unfälle um 40 Prozent zurückgegangen. Die Statistiken weisen 50 Prozent weniger Verletzte und 80 Prozent weniger Todesopfer aus. „Wir können feststellen, dass die gravierenden Unfälle wie Frontalzu-

sammenstö-

ße sehr stark zurückgegangen sind“, sagt Emil Hell, Sicherheitsexperte der ASFINAG. Dabei hat das Verkehrsaufkommen zugenommen. Zwischen 2005 und 2012 liege die Steigerung bei rund 40 Prozent, rechnet Hell vor. Eine der wesentlichen Verbesserungen sind für den ASFINAG-Experten die 2008/2009 umgesetzten Fräsmarkierungen im Bereich der doppelten Sperrlinien. „Fährt man darüber, gibt es ein haptisches Signal. Bei einem Sekundenschlaf rüttelt es den Fahrer wach.“ Zwischen Dalaas-West und Bludenz habe es seither keinen tödlichen Frontalunfall mehr gegeben. Die S 16 hat an Gefährlichkeit verloren. Kosten der Maßnahme: 42.000 Euro.

Intensive Kontrollen

Neben baulichen Maßnahmen haben auch die intensiven Kontrollen durch die Exekutive ihre Wirkung nicht verfehlt. „Wir sind täglich mit einer Patrouille unterwegs“, sagt Kurt Nachbaur, Chef der Autobahnpolizei Bludenz-Bürs. 160.000 Kilometer sind die Einsatzfahrzeuge jährlich auf der S 16 unterwegs. 3000 Organmandate wurden allein im Vorjahr ausgestellt. Dennoch glaubt Nachbaur, der seit 1989 im Dienst ist, dass sich die Disziplin der Autofahrer zuletzt verbessert hat. Zurücklehnen könne man sich aber nicht, so der erfahrene Polizist.

2013 ist noch kein Todesopfer auf der S 16 zu beklagen. Zuletzt kam es 2012 zu Unfällen mit Todesfolge. Ereignet haben sie sich im zweispurigen Dalaaser Tunnel. Trotz aller Verbesserungen bleibt der zweispurige Abschnitt zwischen Bludenz und dem Dalaaser Tunnel also eine Risikostrecke. Für eine maximale bauliche Sicherheit bräuchte es einen vierspurigen Ausbau auf der gesamten Strecke, so ASFINAG-Experte Hell. „Vom Sicherheitsaspekt her wäre dies anzustreben.“ Dazu müsste die Trasse auf die linke Uferseite der Alfenz verlegt werden. Gefordert seien hier allerdings die Entscheidungsträger auf der Seite der Politik, sagt Hell. Aktuell gibt es zwar kein fertiges Projekt in den Schubladen. „Konzeptive Planungen aber schon“, bestätigt der ASFINAG-Manager. Der Zeithorizont der Planungen liege bei 2025.

In die Sicherheit investiert wird allerdings fortlaufend. So sind in diesem Jahr für einen griffigeren Fahrbahnbelag 3,5 Millionen Euro budgetiert. Lohnende Investitionen, wie die aktuellen Unfallzahlen eindrucksvoll zeigen.

Wir sind jeden Tag mit einer Patrouille auf der S 16 unterwegs. Pro Jahr fahren wir 160.000 Kilometer.

Kurt Nachbaur, API Bludenz-Bürs
28. 4. 2000Ein 26-jähriger Berufssoldat rast mit seinem Pkw in die Tunnelwand des Dalaaser-Tunnels. Er ist sofort tot.
28. 4. 2000
Ein 26-jähriger Berufssoldat rast mit seinem Pkw in die Tunnelwand des Dalaaser-Tunnels. Er ist sofort tot.
20. 11. 2003Der Frontal-Crash zwischen einem Pkw und einem Lkw fordert auf der S 16 bei Dalaas ein Todespopfer.
20. 11. 2003
Der Frontal-Crash zwischen einem Pkw und einem Lkw fordert auf der S 16 bei Dalaas ein Todespopfer.
9. 3. 2002Frontalunfall auf der S 16 bei Dalaas: Ein Pkw-Lenker kracht gegen einen Lkw – er verstirbt noch an der Unglücksstelle.
9. 3. 2002
Frontalunfall auf der S 16 bei Dalaas: Ein Pkw-Lenker kracht gegen einen Lkw – er verstirbt noch an der Unglücksstelle.
22. 12. 2001Zwei Tote und vier Schwerverletzte ist die Schreckensbilanz eines Frontalunfalls auf der S 16 bei Innerbraz.
22. 12. 2001
Zwei Tote und vier Schwerverletzte ist die Schreckensbilanz eines Frontalunfalls auf der S 16 bei Innerbraz.
Emil Hell, ASFINAG-Experte.
Emil Hell, ASFINAG-Experte.

Unfall-Entwicklung auf der S 16 Bludenz­-Langen

Jahr Unfälle Tote Verletzte

2000 10 4 18

2001 12 3 25

2002 7 6 17

2003 6 2 14

2004 11 1 21

2005 10 2 14

2006 6 0 8

2007 9 2 17

2008 3 0 8

2009 6 0 11

2010 2 0 4

2011 6 1 6

Quelle: KfV im Auftrag der ASFINAG